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Der Lagerfriedhof 1944 |
STALAG III
A LUCKENWALDE
Friedhof des ehem. Kriegsgefangenenlagers und Gedenkstätte
Das Friedhofsgelände hat eine Gesamtgröße von ca. 7500 qm
und gliedert sich in vier Teilbereiche.
1. Italienischer Teil
1992 wurden 215 italienische Kriegstote exhumiert und nach Italien
überführt. Auf den ehemaligen Gräberfeldern befinden sich
jetzt Rasenflächen. Dieser Teil des Friedhofs wurde auch nach Kriegsende
von Umsiedlern, die im Lager untergebracht wurden, weiterbelegt. Einige dieser
Grabstellen sind mit Grabsteinen noch vorhanden.
2. Französischer Teil
Die auf dem Lagerfriedhof beerdigten Franzosen wurden unmittelbar nach Kriegsende
durch eine französische Militärkommission umgebettet. Es wird vermutet,
dass auf diesem Teil des Friedhofs auch die Toten der übrigen Westalliierten
bestattet waren. Eine Militärkommission Großbritanniens hat britische
Verstorbene ebenfalls umgebettet.
3. Jugoslawischer Teil
Im Randbereich befinden sich beidseitig des Weges drei Grabreihen, die mit
liegenden Kunststeintafeln, auf denen die Namen der Kriegsopfer aus dem ehem.
Jugoslawien eingearbeitet wurden, gekennzeichnet sind. In diesem Teil des
Friedhofs sind auch polnische und tschechische Tote sowie Muslime beigesetzt
4. Sowjetischer Teil
Im ehem. sowjetischen Teil des Friedhofs sind heute 38 Grabfelder durch
Kantensteineinfassungen gekennzeichnet. Der Vergrößerung eines
Luftbildes vom 9. April 1945 ist zu entnehmen, dass die damalige Struktur
des sowjetischen Teils des Friedhofes eine andere war als die, die heute
erkennbar ist. Das Luftbild zeigt auf dem sowjetischen Teil des Friedhofs
auf der gleichen Fläche 71 Massengräber in vier Reihen. |
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| Das Stalag III A 1939 - 1945

Das Kriegsgefangenenlager Stalag III A 1942 |
Planung und Aufbau des Lagers
Bereits vor dem deutschen Überfall auf Polen wurde in Luckenwalde ein
sog. Kriegsgefangenen-Mannschaftsstammlager (Stalag) geplant, in dem Kriegsge-
fangene, die nicht Offiziersrang besaßen, untergebracht werden sollten.
Das Lager war dem Oberkommando der deutschen Wehrmacht (OKW) unterstellt.
Es sollte 10.000 Mann aufnehmen können und galt in seinem Aufbau als
Vorbild für die anderen Lager im Reichsgebiet. Es war das größte
Lager im Wehrkreis III (Berlin - Brandenburg). Mitte September 1939 trafen
die ersten polnischen Kriegsgefangenen ein. Sie wurden in Zelten (12 x 35
m) untergebracht und begannen mit dem Aufbau der Baracken und der anderen
Gebäude, die im Winter fertiggestellt waren. Der gesamte Komplex des
Lagers umfasste etwa 100 Gebäude und 50 Zelte. |
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Die Kriegsgefangenen
Nach den polnischen Kriegsgefangenen folgten die Gefangenen des Westfeldzuges,
zunächst Niederländer und Belgier, die jedoch nur kurz im Lager
verblieben. Die 40.000 französischen Gefangenen, die ab dem Sommer 1940
nach Luckenwalde kamen, bildeten bis zum Kriegsende 1945 die größte
Kriegsgefangenengruppe. Den Kriegsschauplätzen folgend wurden 1941
zunächst jugoslawische ("südöstliche"), serbische und Ende
des Jahres sowjetische Gefangene nach Luckenwalde gebracht. Nach dem
Frontenwechsel Italiens kamen 1943 binnen kürzester Zeit rund 16.000
italienische Militärinternierte, von denen aber der größte
Teil rasch auf andere Lager verteilt wurde. Gegen Kriegsende wurden
amerikanische, rumänische und erneut britische und polnische Gefangene
in das Lager verbracht, so dass im Verlauf des Krieges die Angehörigen
von über zehn kriegsführenden Nationen im Luckenwalder Stalag III
A gefangen gehalten waren.
Das Lager wurde in der Regel nach den Richtlinien der Genfer Konvention und
der Haager Landkriegsordnung betrieben, die unter anderem den Briefverkehr
und die Hilfesendungen von karitativen Organisationen regelten. Bis zum Schluss
kontrollierte dies regelmäßig das Internationale Komitee des Roten
Kreuzes (IKRK). Die Angehörigen der Roten Armee waren von solchen Kontrollen
und Hilfeleistungen ausgeschlossen. Sie hatten wesentlich schlechtere
Lebensbedingungen und genossen nicht den Schutz durch die Genfer Konvention,
weil die UdSSR das Abkommen nicht unterzeichnet hatte. Außerdem betrachtete
Stalin die sowjetischen Kriegsgefangenen als Vaterlandsverräter. Sie
waren also in doppelter Hinsicht vogelfrei. |
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Arbeitskommandos und Arbeitseinsätze
Über 200.000 Gefangene vieler Nationalitäten durchliefen das Stalag
III A. Nach Erfassung persönlicher Daten, Registrierung und
Gesundheitskontrolle im Lager wurden die meisten Gefangenen in kleinere Lager
der einzelnen Arbeitskommandos für Land- und Forstwirtschaft sowie der
Industrie überführt oder in andere Stammlager gebracht. Die
schätzungsweise über 1.000 Arbeitskommandos des Luckenwalder Lagers
verteilten sich über das Gebiet des heutigen Landes Brandenburg. Im
Verwaltungsbereich des Stalag III A befanden sich durchgehend 40.000
Kriegsgefangene. Im Stammlager selbst waren maximal 6.000 - 8.000 Mann.
Bei der Behandlung und Versorgung der Kriegsgefangenen wurden je nach
Nationalität Unterschiede gemacht. Während die "Westgefangenen"
(z. B. Briten und Amerikaner) gut verpflegt wurden, starben zahlreiche
italienische Militärinternierte und sowjetische Kriegsgefangene an den
Folgen schlechter Behandlung. |

Beisetzung auf dem Stalagfriedhof 1942 |
Sterben im Stalag
Nach dem bisherigen Kenntnisstand starben im Stalag III A ca. 4.000 - 5.000
Gefangene. Allein im strengen Winter 1941/42 sind bei einer Fleckfieberepidemie
rund 2.000 bis 2.500 tote sowjetische Gefangene zu beklagen. Noch im
Frühjahr 1942 wurden die sowjetischen Gefangenen zunächst nur begrenzt
zur Arbeit eingesetzt, da sie in äußerst schlechter körperlicher
Verfassung ankamen und erst gesundheitlich stabilisiert werden mussten. Die
Sterblichkeit der sowjetischen Gefangenen war gerade im Vergleich mit der
anderer Nationen außerordentlich hoch. Die Todesursachen der nicht
sowjetischen Gefangenen waren vielfältig, meist jedoch verstarben sie
an Infektionskrankheiten, insbesondere an Tuberkulose. Vereinzelt wurden
in den Sterbeurkunden unnatürliche Todesursachen verzeichnet. Dazu
zählten Selbstmord, Erschießung auf der Flucht oder Versterben
infolge einer Verletzung oder eines Arbeitsunfalls. Nicht sowjetische Gefangene
wurden im Todesfall mit militärischen Ehren auf dem Stalag-Friedhof
in Einzelgräbern bestattet. Die sowjetischen Toten wurden anonym in
Massengräbern begraben. |
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Endphase
Anfang 1945, als die Rote Armee die Oder erreichte, wurde das Stalag III
B in Fürstenberg evakuiert. Die Insassen dieses Lagers machten auf ihrem
Weg für einige Wochen in Luckenwalde Station, was zu einer heillosen
Überfüllung und zu katastrophalen hygienischen Verhältnissen
führte. Noch in den letzten Kriegswochen wurde für das Lager ein
Kampfkommandant ernannt. Eine militärische Verteidigung erübrigte
sich glücklicherweise, da sich die deutschen Wachmannschaften und Offiziere
vor dem Eintreffen der sowjetischen Truppen Richtung Westen absetzten.
Am 22. April 1945 wurde das Stalag III A von der Roten Armee befreit.
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Zur Geschichte des Kriegsgefangenenlagers befinden sich im Heimatmuseum
Luckenwalde ein Gedenkraum und ein Archiv. Dort erhalten Sie mehrsprachige
Begleitbroschüren und finden im Archivbereich weitere Dokumentationen
und Archivalien über das Kriegsgefangenenlager. |
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Der neugestaltete Friedhof September 2009 |
Restaurierung und Neugestaltung
Die über Jahrzehnte entstandenen und gepflegten Teilbereiche des
Stalag-Friedhofs sind historische Dokumente der Gedenkkultur der Nachkriegszeit.
Aus Respekt davor und aus denkmalfachlichen Gründen sind diese Teilbereiche
des Friedhofs erhalten und, wo notwendig, restauriert worden. Gleichzeitig
bestand die Notwendigkeit, einen Bereich auszuweisen, an dem zentral aller
im Stalag Verstorbenen und hier urspr. Bestatteten gedacht werden konnte.
Darüber hinaus galt es, einen Informationsort zu schaffen, der in
Ergänzung zur Ausstellung im Heimatmuseum, vor Ort auf dem Friedhof
über die Geschichte des Stalag informieren würde .
Diese Prämissen hatten die folgend beschriebene Gestaltung zur Folge:
Vom bisherigen Eingang aus führt der Weg nach Westen zunächst zu
einem seitlich angeordneten Informationsbereich mit zwei grossen
Informationstafeln. Von hier aus wird der neue zentrale, platzartig aufgeweitete
Gedenkort des Friedhofs betreten. Zwischen den Heckenscheiben liegt ein
über wenige Trittflächen zu erreichendes Rondell, in dessen Mittelpunkt
eine neu geschaffene Widmungstafel platziert ist, die zum Gedenken an die
hier Bestatteten und zum Frieden mahnt. Südlich der Widmungstafel stehen
zwischen Rondell und einer Hecke vier Bronzestelen, auf denen die Namen der
Nationen der Kriegsgefangenen und die bisher bekannten Namen der
ursprünglich auf dem Friedhof Bestatteten verzeichnet sind. Über
das Rondell geht der Blick zwischen den Hecken und entlang der Baumreihe
durch die Waldflächen des Friedhofs zum ehemals Jugoslawischen
Friedhofsbereich und darüber hinaus zum Gedenkstein des ehemals Sowjetischen
Felds.
Planung: Büro Dr. Jacobs & Hübinger (Bauleitung: Friedemann
Kolbe-Schulz) Berlin; Landschaftsbau Dominick, Treuenbrietzen; Bronzeguss
Bildgießerei Noack, Berlin; Informationstafel: Design United Talents
Berlin, Herstellung Fa. Rose, Luckenwalde |
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Italienisches Denkmal 2009 |
Der Luckenwalder Heimatfreunde e. V. beteiligte sich aktiv bei der Sanierung
des Stalag-Friedhofes im Jahr 2009. Schwerpunkt dabei war die Restaurierung
des Denkmals auf dem Italienischen Feld. Der Verein stellte einen
Förderantrag bei der Mittelbrandenburgischen Sparkasse und erhielt 8.000,-
. Dieser Betrag wurde für die Restaurierung des Denkmals eingesetzt
und mit Mitteln der Stadt Luckenwalde auf die nötigen 11.000,-
aufgestockt.
Die aufwendigen Arbeiten führte der Berliner Diplom-Restaurator Manfred
Sährig aus. Die Texttafel aus der DDR Zeit wurde durch eine Nachbildung
der Originaltafel von 1945 ersetzt und im Fundus des Heimatmuseums eingelagert.
Text der Tafel aus der DDR Zeit:
Hier ruhen italienische Bürger, die dem faschistischen Terror zum Opfer
gefallen sind
Text der Originaltafel von 1945:
Non loquendo sed moriendo confessi sund - Consortes Posure 5.6.45 - Nicht
als Vorbild, sondern als Erinnerung an ein Bekenntnis aufgestellt - Unsere
hier begrabenen Kameraden 5.6.45 |
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