STADTTHEATER LUCKENWALDE
Geschichte

Geschichte   Zur Geschichte des Stadttheaters und ehem. Doppelvolkshochschule

Schon vor Beginn des 1. Weltkrieges kaufte die Stadt ein Grundstück für einen Schulneubau. Der 1. Weltkrieg und die nachfolgende schlechte wirtschaftliche Situation führten dazu, dass erst 1924 ein beschränkter Wettbewerb für den Neubau einer Doppelvolksschule mit Aula von der Stadt ausgerufen wurde. Neben dem Stadtbauamt beteiligten sich der Berliner Architekt Bruno Taut mit einem Entwurf. Der dritte Entwurfsverfasser ist nicht mehr ermittelbar. Die Gebäudegruppe wurde von 1927 bis 1930 errichtet. Während der Bauarbeiten änderte sich das Konzept mit einer deutlichen Hinwendung zu einem Theaterbau, der auch als Schulaula zu nutzen ist. Die Gebäudegruppe besteht aus kubischen Baukörpern mit Flachdach. Den Mittelteil bildet das viergeschossige Schulgebäude, das jeweils an den Seiten vom Theater bzw. von der Turnhalle mit Zeichenterasse und Astronomieturm begrenzt wird. Alle Gebäude sind in rötlichem Ton geputzt, wobei eine Putzmauer mit hellblauem Metall- geländer die Schule und das Theater optisch gegen den   Straßenraum abgrenzt.
Die Komposition der Gebäude mit ihrer klaren Linienführung besticht durch ihre Ausgewogenheit. Die horizontalen Fensterbänder und die grauen Werksteingesimse unterstützen das optische Lagern der Architekturteile. Diese Ponderation der Bauteile wird im Inneren durch einen expressionistischen Farb- und Formenreichtum beantwortet. Es kommen gedeckte Farben zur Anwendung, die in der Garderobe und den Klassenräumen hell, im Theatersaal kräftig und in den Kassenräumen dunkel sind.
Die beiden Schulen mit reformpädagogischem Lehrprogramm wurden am 7./8. August 1930 eingeweiht. Am 29.09.1930 eröffnete man mit einer festlichen Aufführung der Operette "Die Fledermaus" von Johann Strauß die erste Spielzeit des Abonnementtheaters ohne eigenes Ensemble. Die erste Theateraufführung fand bereits am 15.09.1930 statt. Aufgeführt wurde die Komödie "Vater sein dagegen sehr" von Edward Carpenter.
1933 wurde die Friedrich-Ebert-Schule in Hindenburg-Schule umbenannt und das reform- pädagogische Lehrprogramm außer Kraft gesetzt. Der Gründungsrektor Erwin Münchow wurde entlassen und später verhaftet und im Konzentrationslager festgehalten.

Ab Juni 1944 nutzten das Gebäudeensemble Rüstungsfirmen in zweckentfremdender Weise. Diese errichteten auch den Bunker im Schulhof. 1945 bis 1952 richtete die Rote Armee im Theater ein Offizierskino ein. Erst 1952 konnten der Schulbetrieb in der Ernst-Thälmann-Oberschule und der Theaterbetrieb wieder aufgenommen werden. Heute führt die Grundschule wieder den Namen Friedrich-Ebert.

1991 bis 1999 sanierte die Stadt die Gebäudegruppe sehr behutsam. Hierbei konnte die nahezu komplett vorhandene originale Substanz erhalten und der Schul- und Theaterbetrieb mit moderner Technik ausgestattet werden. Die verbauten Terassen wurden wieder freigestellt. Das Gebäude ist ein gelungenes Beispiel für eine substanzerhaltende Sanierung im Sinne der Denkmalpflege.

Bemerkenswert neben der Baugruppe an sich ist die Wiederherstellung und Bewahrung der bauzeitlichen Farbigkeit im Theater, der originale Bühnenvorhang und der letzte noch existierende Flügel der Luckenwalder Firma Niendorf sowie die teilweise noch erhaltenen Sportgeräte in der Turnhalle. Nahezu alle Fenster aus der Bauzeit wurden repariert. Der nicht mehr sanierbare Außenputz ist durch einen Putz derselben Firma mit der noch immer vorhandenen originalen Farbnummer ersetzt worden.

Das von Paul Backes, Hans Graf und Rudolf  Brenneke konzipierte Stadttheater markiert den Höhepunkt der architektonischen und kulturellen Entwicklung der Stadt zwischen den beiden Weltkriegen und ist ein über die Stadt hinaus bedeutendes Baudenkmal für die Architektur der Moderne in Deutschland.

Dr. Thomas Drachenberg

Zeittafel und Namenssteine

Dem aufmerksamen Besucher des Luckenwalder Theaters werden die im Vorplatz eingelassenen künstlerischen Elemente nicht entgehen. Zum einen kündet eine Zeittafel in kurzen Zügen von der Geschichte des Hauses, zum anderen verweisen Namenssteine auf Künstlerpersönlichkeiten, die in der Vergangenheit auf der Bühne gewirkt haben. So erinnern die Schauspieler Willi Schwabe, Wolfgang Kieling und Willi Narloch an die Geschichte des I. Landestheaters der Mark Brandenburg GmbH, das von 1937 bis 1944 in Luckenwalde ansässig war.


Von 1958 bis 1970 hatte das Arbeiter- und Jugendtheater seine Wirkungsstätte im Luckenwalder Theater.
Der Leiter und Gründer des Ensembles, Wolfgang Merten, machte mit künstlerisch wertvollen Inszenierungen auf sich aufmerksam.
Die oben genannte Zeittafel und Namenssteine sind vom Lucken- walder Künstler Manfred Stenzel gestaltet worden.



Stadt Luckenwalde aktualisiert: 01.07.2010

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