Seit 02. März 1990 besteht die Partnerschaft zwischen unseren Städten Bad Salzuflen und Luckenwalde, diese wurde am 07.09.1990 nach den ersten Wahlen in Luckenwalde bekräftigt.
Bad Salzuflen, idyllisch gelegen zwischen Teuteburger Wald und Weserbergland,
ist eines der größten deutschen Heilbäder. Wie schon im Namen
anklingt, hat die Geschichte Salzuflens wesentlich mit den vorhandenen
Salzquellen zu tun. |
"Eine Stadt zum Verlieben" - das behaupten die Salzufler ganz unbescheiden von ihrem Heilbad. In der Tat: Bad Salzuflen hat viel zu bieten. Die historischen Bauten, das alte Rathaus, die malerischen Gassen und vielfältige Kultur- und Sportprogramme stehen dem Besucher zur Verfügung. Hier gehts zum Internetauftritt unserer Partnerstadt. |
Der nachfolgende Beitrag wurde am 21. November 2002 vom Stadtarchivar und Museumsleiter Franz Meyer als interessanter Vortrag zur Geschichte von Bad Salzuflen gehalten.
"Geschichte und Gegenwart von Bad Salzuflen" von Franz Meyer
Wie der Name der Stadt bereits vermuten lässt, ist die Geschichte Bad Salzuflens aufs Engste mit den hier vorhandenen Salzquellen verbunden. Günstige geologische Verhältnisse sind die Ursache dafür, dass im Stadtgebiet bisher neun salzhaltige Quellen erbohrt werden konnten. Heute werden diese Solequellen, die aus den in etwa 1300 Meter Tiefe gelegenen Salzlagern der so genannten Zechsteinformation gespeist werden, ausschließlich für den Kur- und Badebetrieb genutzt. Die Salzgewinnung, jahrhundertelang das wirtschaftliche Rückgrat der Stadt, wurde 1945 endgültig eingestellt.
Anfänge - Reichtum durch Salzhandel
Die mit der Schließung der Saline zu Ende gegangene Epoche der
Stadtgeschichte lässt sich bis in das 11. Jahrhundert zurückverfolgen.
Zwischen 1036 und 1051 schenkte der Paderborner Bischof Rotho dem Kloster
Abdinghof eine Salzstätte in Uflen ("locum salis in Uflon"). - Diese
in die Regierungszeit Rothos fallende Ersterwähnung von Ort und Saline
ist nicht exakt datierbar (die Urkunde von 1036 / 1051 ist nämlich eine
formale Fälschung aus dem 13. Jahrhundert). Dennoch kann Salzuflen ohne
Zweifel zu den ältesten Salzgewinnungsstätten im deutschsprachigen
Raum gezählt werden.
Die Saline lag im Zentrum der heutigen Stadt, dort wurde die Sole von Zögern aus dem Salzbrunnen geschöpft, in die Kotten der verschiedenen Salzwerksbesitzer geleitet und von Salzsiedern in Blei-, später auch in Eisenpfannen gesotten. Nach der Reinigung wurde das Salz dann von Kärrnern in Kiepen oder mit Fuhrwerken zu den Absatzmärkten transportiert; vor allem zu Orten in Lippe und in die Nachbarländer Ravensberg, Osnabrück und Paderborn. Anteile an dem lukrativen Salzwerk besaßen im Mittelalter nicht nur das von mir genannte Paderborner Kloster Abdinghof, sondern auch das Stift Herford, die Klöster Marienfeld und Corvey, die lippischen Edelherren, die Grafen von Schwalenberg und Sternberg sowie Adlige der näheren Umgebung und Salzufler Bürger.
Unter der Herrschaft der Grafen von Sternberg (1226-1377) entstand östlich der heutigen Straße Am Markt, in erhöhter Lage rund um den Hafermarkt, eine Gewerbesiedlung, deren ellipsenförmiger Grundriss im Kartenbild der Stadt auch heute noch deutlich zu erkennen ist.
Aufgrund des einträglichen Salzhandels und der Förderung durch die Sternberger Grafen entwickelte sich die Siedlung schnell zu einem Wigbold, zu einem Ort mit minderstädtischem Charakter. Der Wigbold Salzuflen besaß nachweislich bereits 1322 eine Ratsverfassung. Ein Ratssiegel lässt sich seit 1375 belegen. Das Siegelbild zeigt das auch heute noch verwendete Grundmotiv des städtischen Wappens, den Salzbrunnen und den Sternberger Stern.
Die Herrschaft der Grafen von Sternberg über Salzuflen endete 1377 mit dem Verkauf der Grafschaft an Schaumburg. Die Schaumburger Grafen wiederum verpfändeten Salzuflen bereits 1400 an die Edelherren zur Lippe. Während der Soester Fehde (1444 - 1449) wurde die auf dem Salzreichtum basierende Entwicklung des Ortes zunächst jäh unterbrochen. Salzuflen wurde 1447 - wie zuvor schon die lippischen Nachbarstädte Blomberg und Detmold - von böhmischen Söldnern geplündert und völlig zerstört. Als Konsequenz aus dieser Katastrophe wurde der bis dahin weitgehend unbefestigte Wigbold in der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts mit einem Mauerring umgeben.
In die mit vier Toren und drei Wehrtürmen ausgestattete Befestigungsanlage wurden neben dem alten Sternberger Wigbold und der Saline auch vier am Rande der Salzeaue gelegene Meierhöfe einbezogen.
Der durch diese "Eingemeindungen" auf das Areal der heutigen Altstadt ausgedehnte Wigbold konnte dank der Wirtschaftskraft der Saline binnen weniger Jahrzehnte die Folgen der Soester Fehde überwinden. Im Jahre 1488, der Bau der Stadtbefestigung war zu diesem Zeitpunkt noch nicht abgeschlossen, wurde Salzuflen schließlich von dem damaligen Landesherrn, dem Edelherrn Bernhard VII. zur Lippe, zur Stadt erhoben.
Durch die Verleihung städtischer Privilegien (Marktrechte, Befestigungsrecht und das Recht auf Bildung von Gilden) wurde der Ort den älteren lippischen Städten Lemgo, Lippstadt, Horn, Blomberg und Detmold rechtlich gleichgestellt. Damit war eine wichtige Grundlage für die weitere Entwicklung Salzuflens geschaffen worden. In der Folgezeit gelang es den Bürgern der Stadt in zunehmenden Maße, in den Besitz der Siedehäuser auf dem Salzhof zu gelangen. Um eine größtmögliche Effektivität bei der Produktion und beim Vertrieb des Salzes zu erreichen, bildeten die Inhaber der insgesamt 48 Salzkotten ein Salzwerkskollegium, das unter der Aufsicht des Rates stand.
Da Salzuflen in Lippe das Salzmonopol besaß und der Handel mit dem "weißen Gold" auch über die lippischen Grenzen hinaus florierte, gelangte der Ort zu bemerkenswertem Reichtum. Um 1550 wurde Salzuflen in Lippe von der Wirtschaftskraft her lediglich von der Hansestadt Lemgo übertroffen. Die Stadt zahlte z. B. fünfmal soviel an Reichssteuern wie die Residenzstadt Detmold.
Der Wohlstand der Salzufler Bürgerschaft im 16. und frühen 17. Jahrhundert ist im Stadtbild auch heute noch an den zahlreichen im Stil der Renaissance errichteten Bauten ablesbar. Zu den repräsentativsten Gebäuden dieser glanzvollen Epoche der Stadtgeschichte zählen u. a. das Historische Rathaus und die "Bürgermeisterhäuser" Am Markt.
Kirchlicherseits gehörte die Stadt Salzuflen zu Beginn des 16. Jahrhunderts dagegen immer noch, wie schon seit 1231, zur Pfarrei St. Kilian im benachbarten Dorf Schötmar. Erst 1531 - mit der Übernahme der Lehre Luthers - lösten sich die Salzufler von der "Mutterpfarrei" und gründeten eine eigene Kirchengemeinde. Schon wenige Jahre vorher (1524) war die seit dem frühen 14. Jahrhundert nachweisbare Kapelle auf dem Hallenbrink zur Stadtkirche vergrößert worden. Als weithin sichtbares Zeichen des Reichtums der Stadt erhielt die Kirche im Jahre 1616 einen 76 Meter hohen Turm, den höchsten in Lippe.
Beendet wurde die Blütezeit Salzuflens durch den Dreißigjährigen Krieg (1618-1648). Zahlreiche Truppendurchzüge, Einquartierrungen und hohe Kontributionsleistungen führten ab 1630/32 zum Erliegen des Salzhandels und zerstörten damit die wirtschaftliche Basis der Stadt.
Bedingt durch den Krieg und infolge verheerender Pestepidemien (1636) reduzierte sich die Zahl der Stadtbewohner zwischen 1624 und 1645 von 1795 auf 900. Der Niedergang Salzuflens war so nachhaltig, dass erst 1865 der Bevölkerungsstand von 1624 wieder erreicht war.
Auch das 18. Jahrhundert brachte keine Besserung der Verhältnisse. Zunächst wurde der Ort, der immer noch Schulden aus dem Dreißigjährigen Krieg abzutragen hatte, während des Siebenjährigen Krieges (1756 - 1763) durch Einquartierungen, insbesondere von französischen Truppen, arg in Mitleidenschaft gezogen. Dann vernichtete eine Feuersbrunst im November 1762 ein ganzes Stadtviertel: Stadtkirche, Pastorat, Küsterhaus, die Schule, das Armenhaus und weitere acht Bürgerhäuser wurden ein Raub der Flammen. Und zu guter Letzt mussten die Salzwerkskollegiaten (die Besitzer des Salzwerks) im Jahre 1766 die Saline verkaufen. Die bis dahin immer noch wichtigste Einnahmequelle der Stadt ging in den Besitz des lippischen Landesherrn über.
Unter dem neuen Besitzer wurde das Salzwerk, das zuletzt wegen der veralteten Produktionsanlagen nicht mehr in der Lage war, den Salzbedarf des Landes zu decken, gründlich modernisiert. Auf dem Salzhof entstand nach dem Abbruch der unproduktiven, kleinen Siedekotten eine neue Saline mit leistungsfähigen Siedehäusern.
Um eine möglichst rationelle und energiesparende Salzgewinnung zu gewährleisten, ließ Graf Simon August zur Lippe außerdem ab 1767 vor den Toren der Stadt durch den Salinisten Friedrich Freiherr von Beust Gradierwerke errichten. Durch die Gradierung konnte der Salzgehalt der zu verarbeitenden Sole von sechs auf circa 20 Prozent erhöht werden. Bereits 1769 konnten in dem erneuerten Salzwerk 500 Tonnen Salz gewonnen werden.
Im 19. Jahrhundert produzierte die Saline in Spitzenjahren (1822) bis zu 1500 Tonnen Salz. Impulse für die Entwicklung der Stadt gingen von ihr allerdings nicht mehr aus, da die Salzufler seit dem Besitzwechsel von den Einnahmen aus dem Salzverkauf nicht mehr profitieren konnten. Salzuflen blieb deshalb bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts eine kleine, unbedeutende Landstadt, die ihre besten Zeiten offensichtlich schon hinter sich hatte.
Die Bäder- und Kurstadt
Bereits im Sommer 1817 wurden allerdings, wenn zunächst auch wenig beachtet,
durch den Salzufler Amtsarzt Dr. Heinrich Hasse (1791 - 1868) die entscheidenden
Weichen für die weitere Entwicklung der Stadt gestellt.
Hasse beantragte am 15. Juli 1817 mittels einer Eingabe bei der Fürstlichen Rentkammer in Detmold "die Anlage einer Badeanstalt bey hiesiger Saline". In der Eingabe Hasses hieß es u.a.: "In neueren Zeiten wurde man durch die Gleichheit der Bestandteile des Meerwassers und einiger Salzsolen auf die Idee geleitet, letztere so wie die Seebäder anzuwenden, und man fand, dass sie gleiche heilsame Wirkungen hervorbrachten (...). Auch das Wasser hiesiger Saline ist schon (...) mit vielem Nutzen angewandt worden. Es wäre daher (...) sehr zu wünschen, dass (...) an der Quelle Einrichtungen zum Baden getroffen würden."
Der Antrag wurde zwar - wegen der zu erwartenden Kosten - mit Skepsis aufgenommen, schließlich aber doch genehmigt. Bereits im Juli des folgenden Jahres 1818 konnte in Salzuflen der Badebetrieb aufgenommen werden. Als "Badehaus" diente der Pumpenturm der Saline auf dem Salzhof, wo unter Anleitung von Dr. Hasse fünf Badestuben eingerichtet wurden. In der ersten Badesaison konnten dort insgesamt 1025 Solbäder, überwiegend an Salzufler Bürger und Bauern der umliegenden Dörfer, verabreicht werden.
Trotz dieses hoffnungsvollen Anfangs verlief die weitere Entwicklung des Solbades Salzuflen äußerst schleppend. Denn der Träger des Bades, die Fürstliche Rentkammer in Detmold, war zunächst nicht bereit, der ständig steigenden Zahl der Badegäste durch eine großzügigere und komfortablere Unterbringung der Badeeinrichtungen Rechnung zu tragen. Erst als 1855 der Pumpenturm mit seinen zuletzt sechs Badewannen bis auf die Grundmauern niedergebrannt war, wurde am Randes des Salzhofes ein neues Badehaus erbaut. Mit der Errichtung dieses Badehauses - es erhielt später die Bezeichnung Badehaus I - waren die provisorischen Anfänge des Bades überwunden.
Der Badebetrieb nahm in den folgenden Jahrzehnten, besonders nach der Reichsgründung von 1871, eine stete Aufwärtsentwicklung. So erhöhte sich die Zahl der abegebenen Bäder zwischen 1870 und der Jahrhundertwende von 4400 auf knapp 45 000; die Zahl der Kurgäste, bei der ersten Erfassung (1878) mit 750 beziffert, kletterte bis 1900 auf 3972.
Da das am Salzhof gelegene Badehaus I dem Ansturm der Badegäste nicht
mehr gewachsen war, errichtete man 1895/96 vor den Toren der Stadt, bei den
Gradierwerken, mit dem Woldemarbad ein weiteres Badehaus.
Die Wahl des Standortes für dieses moderne, bereits mit einem Sole-Bassin
ausgestattete Badehaus sollte sich für die weitere Entwicklung von Stadt
und Bad als wegweisend herausstellen.
Denn hier auf der "grünen Wiese", befreit von der Enge der Altstadt,
setzte man ab 1898 den mit dem Woldemarbad begonnenen Aufbau eines
planmäßig angelegten Kur- und Badeviertels (mit Kurhaus, Trink-
und Wandelhalle, weiteren Kurmittelhäusern, Kurpark, Pensionen und Hotels)
kontinuierlich fort.
Dass der Ausbau des Bades noch vor Ausbruch des Ersten Weltkrieges zum Abschluss
gebracht werden konnte, war auf die 1905/06 erfolgte Erbohrung des
Leopold-Sprudels, der ersten Salzufler Thermalquelle, zurückzuführen.
Salzuflen war damit zum Sol-Thermalbad aufgestiegen. Dies führte binnen weniger Jahre zu einem drastischen Anstieg der Kurgastzahlen und damit zu einer weiteren Beschleunigung der ohnehin schon dynamischen Entwicklung. Allein zwischen 1906 und 1913 erhöhte sich die Zahl der Kurgäste von 8500 auf 19000. Salzuflen gehörte damit zur Spitzengruppe der deutschen Heilbäder und konnte schließlich ab April 1914 den werbewirksamen Namenszusatz "Bad" führen.
Die Industriestadt - Hoffmann's Stärkefabriken
Am Vorabend des Ersten Weltkrieges zählte der aufstrebende Kur- und
Badeort bereits 7400 Einwohner. Somit hatte sich die Bevölkerung Salzuflens
innerhalb von nur 50 Jahren (1864 - 1914) mehr als vervierfacht.
Diese bemerkenswerte Entwicklung war aber nicht nur eine Folge des Aufstiegs zu einem bedeutenden Badeort; sie muss vor allem auch im Zusammenhang mit der 1850 erfolgten Gründung von Hoffmann's Stärkefabriken gesehen werden. Dieses älteste lippische Industrieunternehmen hatte nämlich vor allem im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts einen maßgeblichen Einfluss auf den Werdegang der Stadt. Unter der Leitung von Eduard Hoffmann, dem Sohn des 1852 verstorbenen Firmengründers Heinrich Salomon Hoffmann, entwickelten sich die Stärkefabriken innerhalb weniger Jahre zu einem Großbetrieb mit mehreren hundert Beschäftigten.
Da aber in Salzuflen und der näheren Umgebung nicht genügend Arbeitskräfte zur Verfügung standen, musste die Firma den größten Teil der Arbeiterschaft von außerhalb anwerben. Mit den Arbeitern, die ab 1865 in großer Zahl aus dem thüringischen Eichsfeld in Salzuflen zuzogen, wurde der bis dahin kaum spürbare Wachstumsprozess der Stadt merklich beschleunigt. Zwischen 1870 und 1880 entstanden die ersten planmäßig angelegten Wohnviertel außerhalb der Altstadt. Auch die 1876 erfolgte Neugründung einer katholischen Kirchengemeinde (für die katholischen Arbeiter aus dem Eichsfeld) und der Anschluss Salzuflens an die Eisenbahnlinie von Köln nach Hannover (im Dezember 1880) waren mit erheblicher Unterstützung der Stärkefabriken zustande gekommen. Vorbildlich war auch die Sozialfürsorge der Firma, die vor allem in der Errichtung des Hoffmann-Stifts zum Ausdruck kam. Dieses zum 50-jährigen Betriebsjubiläum (1900) für die Belegschaft erbaute Krankenhaus konnte ab 1919 auch von der Stadt genutzt werden.
Die nach 1880 zum größten europäischen Stärkeproduzenten aufgestiegene Firma beschäftigte um die Jahrhundertwende circa 1200 Mitarbeiter und war damit nicht nur das leistungsstärkste Wirtschaftsunternehmen in Salzuflen, sondern darüber hinaus in ganz Lippe. Hoffmann's Stärkefabriken konnten zwar auch nach 1900 ihr hohes Leistungsniveau aufrechterhalten. Ihre überragende Stellung im wirtschaftlichen Gefüge der Stadt mussten sie sich aber spätestens seit 1914 mit dem Sol-Thermalbad teilen.
Der 1. Weltkrieg, in dem die Salzufler etwa 300 Gefallene zu beklagen hatten,
brachte die Entwicklung von Stadt und Bad nur vorübergehend ins Stocken.
Lediglich in den ersten drei Kriegsjahren waren die Kurgastzahlen leicht
rückläufig. Bereits 1917(!) konnte mit 20300 Gästen ein neuer
Spitzenwert erreicht werden, der noch im letzten Kriegsjahr auf 25500 Gäste
ausgebaut wurde.
Nach der Abdankung von Fürst Leopold IV. (12.11.1918) und der wenig
später erfolgten Bildung des Freistaates Lippe wurde aus dem früheren
"Fürstlichen Lippischen Sol-Thermalbad" ein lippisches "Staatsbad".
In den folgenden beiden Jahrzehnten (1919-1939) konnte Salzuflen seinen Spitzenplatz unter den deutschen Heilbädern nicht nur bestätigen, sondern sogar noch ausbauen. Die Zahl der Kurgäste konnte in diesem Zeitraum zeitweilig auf über 27000 gesteigert werden. Der Spitzenwert wurde 1929 mit 28803 erreicht. Stärkere Einbrüche waren lediglich im Inflationsjahr 1923 und während der Wirtschaftskrise Anfang der dreißiger Jahre zu verzeichnen.
Der florierende Badebetrieb, das damit verbundene breite Freizeitangebot
für die ältere Generation, aber auch die landschaftlich reizvolle
Lage Salzuflens führten in den zwanziger und dreißiger Jahren
zu einem verstärkten Zuzug von Pensionären aus dem Ruhrgebiet.
Dadurch erhöhte sich die Einwohnerzahl der Stadt bis 1939 auf 11500.
Während des Zweiten Weltkrieges, der für die Salzufler am 5. April
1945 mit dem Einmarsch amerikanischer Truppen zu Ende ging, blieb die Stadt
von nennenswerten Zerstörungen verschont.
Aber auch in Bad Salzuflen waren die Folgen der zwölfjährigen
nationalsozialistischen Gewaltherrschaft nicht zu übersehen:
Die jahrhundertealte jüdische Gemeinde existierte nicht mehr; ihre 118
Mitglieder (Januar 1933) waren emigriert oder ermordet worden. Zudem hatten
fast dreihundert junge Salzufler Soldaten Hitlers "Lebensraumpolitik" mit
ihrem eigenen Leben bezahlen müssen.
Entwicklung nach 1945
Noch im Frühjahr 1945 beschlagnahmten schließlich englische Truppen,
die die Amerikaner als Besatzer abgelöst hatten, 228 Wohnhäuser,
148 Kur- und Fremdenheime sowie zahlreiche Hotels und Sanatorien. Der Kurbetrieb
musste daraufhin eingestellt werden. Erst zwei Jahre später, im Sommer
1947, nach der Freigabe der ersten Kurmittelhäuser und Pensionen, konnte
in bescheidenem Umfang (mit 7879 Kurgästen) der Badebetrieb wieder
aufgenommen werden. Bis alle Kureinrichtungen und Privathäuser
zurückgegeben waren, sollten allerdings noch neun weitere Jahre vergehen.
Dank des allgemeinen wirtschaftlichen Aufschwungs konnten aber bereits 1953 mit über 31000 Kurgästen die Vorkriegswerte deutlich übertroffen werden. In den folgenden Jahren setzte sich der beispiellose wirtschaftliche Boom fort, so dass die Zahl der Kurgäste schließlich bis 1965 auf über 66000 kletterte. Relativ reibungslos verlief auch die Integration der über 3400 Heimatvertriebenen. Sie fanden zumeist schnell einen Arbeitsplatz und konnten häufig schon nach wenigen Jahren in eigenen vier Wänden leben.
Das vorerst letzte Kapitel der Salzufler Stadtgeschichte wurde am 1. Januar 1969 aufgeschlagen. Im Zuge der kommunalen Neuordnung wurde die alte Salinen- und Badestadt mit der Industriestadt Schötmar und den zehn Dorfgemeinden Biemsen-Ahmsen, Ehrsen-Breden, Grastrup-Hölsen, Holzhausen, Lockhausen, Papenhausen, Retzen, Werl-Aspe, Wülfer-Bexten und Wüsten zur neuen Großgemeinde Bad Salzuflen zusammengeschlossen. Die jetzige Stadt Bad Salzuflen hat eine Gesamtfläche von etwa 100 qkm, zählt rund 56500 Einwohner und ist damit - nach der Residenzstadt Detmold - die zweitgrößte Kommune im 1973 gebildeten Kreis Lippe.
Durch die Großgemeindebildung konnte die früher vor allem in Krisenzeiten häufig beklagte Abhängigkeit der Stadt von der konjunkturellen Entwicklung des Bades deutlich abgefedert werden. Und auch Hoffmann's Stärkefabriken besitzen keinerlei Einfluss mehr: Der Betrieb wurde 1990 stillgelegt; die Baulichkeiten der einst "größten Reisstärkefabrik der Welt" sind mittlerweile weitgehend aus dem Stadtbild verschwunden.
Bad Salzuflen besitzt heute eine äußerst differenzierte Wirtschaftsstruktur mit einer großen Zahl kleiner und mittelständischer Unternehmen. Der Ort ist damit nicht mehr allein auf das zur Zeit in argen finanziellen Nöten steckende Staatsbad - mit zur Zeit etwa 45000 Kurgästen im Jahr - angewiesen.
So bestimmen in den Ortsteilen Schötmar, Holzhausen und Werl-Aspe vor
allem Betriebe des verarbeitenden Gewerbes das Bild. Die Schwerpunkte liegen
hier in den Bereichen der Kunststoffverarbeitung, der Möbelindustrie
sowie im Maschinenbau. In kleineren Ortsteilen wie Papenhausen,
Wülfer-Bexten und Grastrup-Hölsen dominiert dagegen auch heute
noch die Landwirtschaft, die im Stadtgebiet mit etwa 190 Höfen vertreten
ist."
(Zwischenüberschriften eingefügt von der Pressestelle der Stadt
Luckenwalde)
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