"Stolpersteine" - Orte der Erinnerung für Luckenwalde

Verlegte Stolpersteine

An folgenden Orten im Stadtgebiet wurden Stolpersteine zur Erinnerung an die ehemaligen jüdischen Einwohner in den Gehweg eingesetzt:
Stolpersteine für Leo und Else Schwarzweiß

In der Poststraße 27 für

Herrn Dr. med. Leo Schwarzweiß und seine Frau Else Schwarzweiß, geb. Josephson. Herr Schwarzweiß wurde am 14.08.1873 in Prenzlau geboren. Ab 1893 absolvierte er ein Medizinstudium in Berlin. Seine ärztliche Approbation erhielt er am 17.06.1898. 1898 bis 1899 vollzog Herr Schwarzweiß seinen Militärdienst. Von 1900 bis 1937 war er Arzt in Luckenwalde. 1910 verlobte er sich mit Else Josephson (Hochzeitsdatum unbekannt). Am 26.01.1912 wurde ihr gemeinsamer Sohn Hans in Luckenwalde geboren. An der russischen Front kämpfte Schwarzweiß von 1914 bis 1918. Dr. med. Leo Schwarzweiß war der letzte Vorsteher der Luckenwalder Synagogen-Gemeinde nach 1939.
Else Schwarzweiß wurde am 30.11.1884 in Neutomischel geboren.
Das Ehepaar wurde mit dem 73. Alterstransport am 06.11.1942 aus Berlin deportiert. Herr Schwarzweiß ist am 04.02.1943 und seine Frau Else am 03.01.1943 in Theresienstadt gestorben.

Stolperstein Charlotte Rieck

In der Puschkinstraße 48 für

Frau Charlotte Rieck, geb. Scherokosz. Sie wurde am 30.01.1886 in Berlin geboren und lebte von1918 bis 1939 in Luckenwalde. Mit dem Tod ihres Mannes, dem Prokuristen Willi Rieck, in Luckenwalde am 24.02.1944 verliert die Jüdin den relativen Schutz, den ihr die Ehe mit ihrem nichtjüdischen Partner geboten hatte.
Sie wurde am 19.04.1944 mit dem 104. Transport von Berlin nach Theresienstadt deportiert und ist am 15.05.1944 in Auschwitz verschollen.

6 Stolpersteine Puschkinstraße 18

In der Puschkinstraße 18 für

Sigismund Cohn
Herr Cohn war Mitinhaber der Tuchgroßhandlung Friedrich Schneider. Bis etwa 1918 war er Stadtverordneter für eine bürgerliche Partei. In der Jüdischen Gemeinde hatte er von 1903 bis 1927 eine leitende Funktionen inne, zuletzt auch von 1937 an. Er wurde am 19.08.1942 mit dem 45. Alterstransport von Berlin nach Theresienstadt deportiert. Dort ist er verstorben. Sein Todesdatum ist unbekannt. Sein Bruder Oskar Cohn (SPD) war von 1912 bis 1918 Mitglied des Reichstags und 1919 Mitglied der Weimarer Nationalversammlung.

Friedrich Schneider
Herr Schneider, Jahrgang 1855, war Tuchgroßhändler. Die jüngste seiner vier Kinder, die Tochter Elly, verunglückte 1917 als 20-Jährige tödlich. Friedrich Schneider starb 1932. Er wurde auf dem Jüdischen Friedhof in Luckenwalde begraben.

Flora Schneider, geb. Cohn
Frau Schneider war Sigismund Cohns Schwester und Friedrich Schneiders Ehefrau. In einem ihrer Briefe hat sie über den letzten Synagogengottesdienst berichtet, der am Freitagabend, dem 4. November 1938 stattfand – eine Woche vor dem Pogrom. Sie starb 1940 am 21. September, zwei Tage vor ihrem 80. Geburtstag, in Berlin und wurde auf dem Jüdischen Friedhof in Weißensee begraben.

Gertrud Schneider, verehel. Hirsch
Sie war das älteste Kind von Friedrich und Flora Schneider. 1904 heiratete sie Hermann Hirsch, den Inhaber der Luckenwalder Bronzewarenfabrik. Das Ehepaar ist zusammen mit dem Sohn Robert, dessen Frau und ihrem Kind nach Palästina emigriert.

Erich Schneider
Herr Schneider, Jahrgang 1884, war der Sohn von Friedrich und Flora Schneider. Er wurde in der Tuchgroßhandlung seines Vaters ausgebildet und hat später in Berlin, Elberfeld und München gearbeitet. Am 1. Weltkrieg hat er als Freiwilliger teilgenommen. 1945 wurde er aus dem KZ Buchenwald befreit. Er wanderte nach Australien aus und starb dort ungefähr vier Jahre nach dem Krieg.

Kaethe Schneider, verehel. Hahn
Sie war das dritte Kind von Friedrich und Flora Schneider. Mit ihrem Mann Kurt Hahn ist sie 1939 nach Kuba emigriert.

Stolpersteine Puschkinstraße 38

In der Puschkinstraße 38 für

Malwine Rosenthal, geb. Fuss
Frau Rosenthal wurde am 11.11.1852 in Lissa geboren und lebte von 1925 bis 1938 in Luckenwalde. Sie wohnte in der Baruther Straße 45, in der Frankenstraße 3 und zuletzt im Haus der Synagoge in der damaligen Carlstraße 38. Dort erlebte sie den Novemberpogrom. Sie wurde mit dem ersten großen Alterstransport 1942 im Alter von fast 90 Jahren depotiert und am 30.11.1942 in Theresienstadt ermordet.

Wolfgang Leubuscher
Herr Leubuscher wurde am 22.08.1920 in Guben geboren. Er war Lehrlin in der Luckenwalder Firma Kellermann und wohnte im Haus der ehemaligen Synagoge in der damaligen Carlstraße 38. Im Alter von nur 18 Jahren wurde er 1938 in das KZ Sachsenhausen deportiert. Am 11.10.1941 ist er in Mauthausen ermordet worden, er war 21 Jahre alt.

Stolperstein Breite Straße 32

in der Breiten Straße 32

Johanna Bauchwitz
Frau Bauwitz wurde am 23.06.1868 in Luckenwalde geboren. Sie war die ledige Schwester des Luckenwalder Stadtverordneten Gustav Bauwitz, der bereits 1929 verstarb.
Frau Bauchwitz wohnte Breite Straße 5 und zuletzt im Haus der Familie in der Breiten Straße 32. Sie wurde mit dem 85. Alterstransport im Alter von 75 Jahren nach Theresienstadt deportiert. Am 15.06.1943 ist sie in Theresienstadt ermordet worden.


Texte mit freundlicher Unterstützung durch Pfarrer Detlev Riemer.


Stadt Luckenwalde aktualisiert: 08.11.2011

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