Zukunftswerkstatt Boulevard Teil 2 - 28.02.2011
900 Rückantworten und eine rege Diskussion
Fast keinen leeren Sitzplatz gab es am 28. Februar 2011 im großen
Sitzungssaal des Kreishauses, als die Zukunftswerkstatt Boulevard in die
nächste Runde ging. Bürgermeisterin Elisabeth Herzog-von der Heide
begrüßte die Anwesenden und zeigte sich beeindruckt von der
großen Resonanz. Die Umgestaltung des Boulevards sei inzwischen
Stadtgespräch. Auch die insgesamt etwa 900 Rückantworten des
Faltblattes bestätigen, dass die Luckenwalder sich ausführlich
mit dem Thema beschäftigen. Etwa zehn Prozent aller Luckenwalder Haushalte
hatten sich an der Meinungsumfrage beteiligt. Da es sich jedoch bei den
vorgestellten Varianten um "keine leichte Materie" handele, wolle man die
verschiedenen Möglichkeiten noch einmal nachvollziehbar präsentieren.
Dazu wiederholten Prof. Axel Busch vom Büro TOPOS und Verkehrsplaner
Heinz Mazur von der PGT Umwelt und Verkehr GmbH die Ergebnisse der ersten
Veranstaltung im Dezember letzten Jahres. Sie gaben einen Rückblick
auf die damaligen Themen Entwicklungsziele, Qualitäten und Mängel
des Boulevards und machten die Unterschiede der erarbeiteten Planungsvarianten
erneut deutlich.
Frau Karin Ganssauge vom Büro TOPOS präsentierte dann die Ergebnisse
der Meinungsumfrage mit Hilfe der Flyer. Platz 1 mit 47,7 % aller Stimmen
belegte Variante 0, die lediglich eine Sanierung vorsieht. Für die Variante
0+ (Status Quo mit Einrichtungsverkehr für Kfz zwischen Lämmergasse
und Dahmer Straße) sprachen sich 2,6 % aus. Die Befahrbarkeit zwischen
Lämmergasse und Theaterstraße (Variante 1) wünschen sich
28 % der Bürger. Lediglich 2,3 % der Luckenwalder entschieden sich für
Variante 2A und damit für die außermittige Befahrbarkeit zwischen
Lämmergasse und Dahmer Straße. 3,6 % der Stimmen entfielen auf
Variante 2B, also die außermittige Befahrbarkeit zwischen Dahmer
Straße und Engpass. Autoverkehr auf der gesamten Strecke des Boulevards
(Variante 3A) möchten 3,1 %. Einige Stimmen mehr, insgesamt 9,4 % entfielen
auf Variante 3B, die eine komplette Befahrbarkeit in der Mitte der Breiten
Straße vorsieht. Auch die restlichen 3,4 % der Abstimmenden würden
diese bevorzugen, möchten aber, dass der Kariedel-Brunnen nicht komplett
umfahren werden kann (Variante 3C).
Außer für die favorisierte Variante zu stimmen, gab das Faltblatt
auch die Möglichkeit, zusätzliche Anregungen, Ideen etc. zu
äußern. Die meistgenannten Nennungen waren, dass die Radfahrer
absteigen sollen, Barrierefreiheit, Befürchtungen wegen der Kosten der
Sanierung, Wünsche nach mehr Bänken und Grünanlagen, mehr
Geschäften und Gastronomie und attraktiven Angeboten wie Spielplätze,
Wasseranlagen oder eine Bühne. 18,5 % betonten hier nochmals, dass sie
sich keine Autos auf dem Boulevard vorstellen können. 1 % sieht einen
Mangel an Parkplätzen, 4 % dagegen nicht. 4,7 % schlugen einen Radweg
vor, 1,3 % wollen ausdrücklich keinen. Etliche Befragte wünschen
sich den Boulevard familienfreundlich und erholsam. Er solle eine grüne
Oase mit vielen Veranstaltungen sein. Vorschläge sind unter anderem
die Schließung der Baulücke, bessere Öffnungszeiten der
Geschäfte und mehr Einsatz des Innenstadtmanagements. Einige
Bürgerinnen und Bürger hätten gerne einen Sandkasten, eine
versenkbare Bühne, Taxistände, einen Sportplatz oder im Winter
eine Eisfläche auf dem Boulevard. Außerdem kamen die Vorschläge
den Wochenmarkt auf den Boulevard zu verlegen, am Bahnhof mehr Werbung für
das Stadtzentrum zu machen, die Kariedelfiguren auf dem Brunnen in die andere
Richtung zu drehen, die Skatertrasse am Boulevard starten zu lassen oder
diesen bis zu den Nuthepassagen, dem Kino und dem Skatereinstieg zu
verlängern. Mehrmals genannt wurde ein Parkleitsystem und ein
Fußgängerüberweg vom Nuthepark zum Vierseithof.
Peter Mann, Leiter des Stadtplanungsamtes, bedankte sich für den positiven
Rücklauf. Da das Meinungsbild jedoch recht ausgeglichen sei, gäbe
es weiterhin viel Diskussionsbedarf.
Anschließend gab Monika Scheffler, Lehrerin am Friedrich-Gymnasium
in Luckenwalde, einen kurzen Einblick in ihre bisherigen Ergebnisse. Zusammen
mit einer 8. Klasse beschäftigt sie sich im Rahmen einer Projektarbeit
ebenfalls mit der Umgestaltung des Boulevards. Die Schülerinnen und
Schüler haben Geschäftsleute und Passanten interviewt, Fragebögen
erarbeitet und diese unter den Mitschülern verteilt, um auch die Meinungen
der jüngeren Zielgruppe in die Zukunftswerkstatt miteinfließen
zu lassen. Die Schüler seien sehr froh, dass der Boulevard umgestaltet
werden soll, nutzen ihn gerne als Treffpunkt und sind größtenteils
für eine Sanierung ohne Autoverkehr. Das erste Meinungsbild zeige, dass
den Jugendlichen Geschäfte und Attraktionen auf dem Boulevard fehlen.
Viele würden sich über einen Fahrradweg und mehr Grün freuen.
Die endgültigen Ergebnisse der Umfrage am Gymnasium, die die Schüler
selbst auswerten, stellen sie dann der Stadt zur Verfügung, wofür
das Stadtplanungsamt sehr dankbar ist.
Anschließend hatten alle Anwesenden die Möglichkeit, sich zu den
Gesprächsthemen Nutzung öffentlicher Raum und private Nutzung durch
Wohnen und Einzelhandel zu äußern. Während der regen Diskussion
wurden sehr unterschiedliche Meinungen geäußert. Zum einen wurde
Stolz auf das "einzigartige Kleinod Boulevard" laut, das nicht verändert
werden solle. Andererseits forderten viele Anwesenden eine dringend notwendige
Modernisierung. Anwohner äußerten ihre Angst davor, dass der Boulevard
zu einer Rennstrecke werden könnte, andere schlugen eine geschlängelte
Fahrbahn vor oder sprachen sich gegen die Befahrbarkeit aus, da es am Boulevard
keine Waren zu kaufen gäbe, die das direkte Verladen in einen PKW erfordern.
Viele sprachen Probleme mit dem Lieferverkehr an. Einige Bürger
befürchteten ein Geschäftssterben verbunden mit
rückläufigen Gewerbesteuereinnahmen und dass der Boulevard "zum
Kinderspielplatz degradiert werde". Der Tourismus und vor allem die Skater
stellen für manche Anwesenden die Lösung für die Probleme
des Einzelhandels dar.
Die verschiedenen Meinungen wurden auf Stellwänden festgehalten und
von Herrn Mazur zusammengefasst. Dieser zeigte sich zufrieden mit der "spannenden
Diskussion", die aber sicher noch weitergeführt werden müsse. "Das
ist ein ganz guter Weg, den wir begonnen haben." Frau Herzog-von der Heide
betonte, dass es nicht möglich sei, alle vorgebrachten Wünsche
zu erfüllen. Man wolle jedoch einen Weg finden, der es ermögliche,
viele der Anregungen zu verwirklichen.
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