Ideen und Konzepte - Freibad Elsthal

Weitere Saison für das Freibad Elsthal gesichert (17.03.2011)

Hauptbecken im Freibad

"Wir sind der Meinung, dass das Bad im Rahmen des Bestandsschutzes weiter betrieben werden kann", so die Aussage der Bürgermeisterin Elisabeth Herzog-von der Heide am 08. März 2011 im Ausschuss für Stadtentwicklung, Wirtschaft und Umwelt.
Die Mitglieder des Ausschusses hatten sich vor der Ausschusssitzung zusammen mit zahlreichen interessierten Bürgern vor Ort ein Bild vom Zustand des Freibades Elsthal gemacht. Werner Stahl, Leiter der Abteilung Technische Gebäudeverwaltung im Amt für Gebäude- und Beteiligungsverwaltung, erläuterte die Bauschäden am Hauptbecken und den Zustand des Sozialgebäudes. Er hatte eine Bestandsaufnahme der Wasseraufbereitung erarbeitet und stellte diese in der Ausschusssitzung vor, in der über die Zukunft des ehemaligen Handwerkerbades diskutiert wurde.

Herr Stahl (Mitte) erläutert den Zustand des Freibades.

Im Zeitraum zwischen 1992 und 2010 wurden insgesamt 355.180,83 Euro in das Freibad investiert. Hinzu kommen jährlich ca. 20.000 Euro für Wartungs- und Reparaturleistungen im Rahmen der allgemeinen Bewirtschaftungskosten. "Kaum eine andere städtische Einrichtung kommt auf solche Zahlen.", betonte Herr Stahl (Bildmitte) die bisherigen Bemühungen der Stadt, das Freibad zu erhalten. Zum einen wertete er den Wasserverbrauch aus. Im Jahr 2010 mussten im Freibad Elsthal 13.358 kbm Frischwasser zugegeben werden. Das sind 910 Liter pro Besucher. In der Fläming-Therme dagegen müssen nur 77 Liter pro Badegast zugegeben werden. Gründe für den vermehrten Wasserbedarf sind neben Verdunstung und Wasserverschleppung durch Badegäste auch, dass die Überlaufrinne nicht in den Wasserkreislauf eingebunden ist. Deswegen geht durch Wasserverdrängung viel verloren. Außerdem hat der Nichtschwimmerbereich keine Folienabdichtung und das Planschbecken ist nicht in den Rücklauf eingebunden. Im Rahmen der Bestandsuntersuchung wurde außerdem das Rohrsystem mit einer Kamerabefahrung und Druckprobe untersucht. Alle Rohre sind in Ordnung. Dennoch stehen in diesem Jahr zusätzlich 25.000 Euro für die Sanierung von Teilen der Beckenschrägen auf dem Plan. In den kommenden Jahren soll der Rissbildung im Beckenkopf durch den Einbau von Dehnungsfugen entgegengewirkt werden. Dafür sind Kosten von etwa 30.000 Euro zu erwarten.

Interessierte beim Badrundgang

Um das Freibad jedoch an aktuelle Standards anzupassen, wären noch viel größere Investitionen nötig. Dazu müssten ein Schwallwasserbehälter und ein Schlammwasserbehälter installiert werden, von denen jeder 110.000 Euro kosten würde, wobei die Erdarbeiten noch nicht mit einberechnet sind. Zusätzlich würden 30.000 Euro für einen Abwasseranschluss und 9.000 Euro Abwassergebühren pro Jahr auf die Stadt zukommen. Noch unklar sind die Kosten für den Umbau des Sanitärbereichs, für die Herstellung von Barrierefreiheit und eventuell zusätzliche Stellplätze. Um die Wasserhydraulik zu verbessern, müsste das Becken vollständig neu aufgebaut werden und es würden Kosten in Millionenhöhe entstehen.
Bauliche Veränderungen an dem 1984 in seiner jetzigen Form genehmigten Freibad würden den Bestandsschutz erlöschen lassen und für eine weitere Betreibung eine Anpassung an aktuelle Standards erfordern. Die Bürgermeisterin schätzte ein, dass die dafür aufzubringenden Millionenbeträge, für die keine Förderung in Sicht sei, von der Stadt nicht geleistet werden könnten, es sei denn, die Stadt würde aus allen Förderprogrammen der Stadterneuerung, des Stadtumbaus, des Straßenbaus und der Sanierung und Erschließung von Gewerbegebieten aussteigen und die dadurch ersparten Eigenmittel in den Neubau eines Freibades investieren. Aus diesem Grund befürwortete sie die weitere Betreibung im Rahmen des derzeit geltenden Bestandsschutzes. Auch jetzt stehen den fixen Kosten für das Freibad schwankende Einnahmen gegenüber. Je nach Wetterlage verzeichnete das Bad in den vergangenen Jahren zwischen 9.000 und 18.000 Besucher. "Bislang legt die Stadt im Durchschnitt 5,35 Euro unter jedes Handtuch.", rechnete Frau Herzog-von der Heide den städtischen Zuschuss pro Besuch vor. Luckenwalde ist die einzige Kommune im Landkreis, die ein Hallen- und ein Freibad betreibt und subventioniert. Um die Nutzer des Freibades stärker an den Lasten des weiteren Betriebs zu beteiligen, schlägt die Verwaltung vor, die Eintrittspreise zu erhöhen. Diese bleiben dann aber immer noch im preislichen Rahmen vergleichbarer Bäder in der Umgebung. Kinder bis sechs Jahre und Sozialpassinhaber würden dann einen Euro für einen Tag Badevergnügen bezahlen, Erwachsene drei Euro. Nach dem Vorschlag der Verwaltung könnten Erwachsene mit der neuen 10er-Karte für 24 Euro zehn mal baden, Kinder bis 6 Jahre und Sozialpassinhaber würden acht Euro bezahlen. Neu eingeführt werden könnte eine Familienkarte zum Preis von 7,50 Euro, die fünf Personen (davon maximal zwei Erwachsenen) einen ganztägigen Freibadbesuch ermöglicht. Um auch Berufstätige ins Freibad zu locken, schlägt die Stadt Luckenwalde eine Abendkarte vor, die ab 18:00 Uhr für nur 1,50 Euro erworben werden kann.
Bei gleicher Besucherzahl wie 2010 und neuen Eintrittspreisen würden sich die Einnahmen so erhöhen, dass nicht mehr nur 18,37 %, sondern 32,81 % der Kosten gedeckt wären. Der Zuschuss der Stadt könnte pro Besucher auf 4,55 Euro verringert werden. Über die Erhöhung der Eintrittspreise soll die Stadtverordnetenversammlung am 29. März 2011 entscheiden.


 

Projektstudie



Die Tradition des Freibades reicht bis in das Jahr 1861 zurück.
Damals kaufte der Handwerkerverein Luckenwalde
die Nuthewiesen im Bereich des heutigen Freibades für
den Bau einer Flussbadeanstalt. Die Badeanstalt bestand
aus zwei Wasserbecken, in denen Männer und Frauen
getrennt baden mussten. Weitere moderne Einrichtungen
für den Badebetrieb waren nicht vorhanden. 1887
erwarb der Handwerkerverein auch Wiesen jenseits der
Nuthe, so dass nun zwei Ufer für den Badebetrieb genutzt
werden konnten. Das Bad wurde 1911 erneuert.
1925 wurde durch Initiative des Handwerkervereins anstelle
des alten, von der Nuthe gespeisten “Naturbades”
ein modernes Freibad errichtet, das von der Nuthe
entkoppelt wurde. Es bestand aus einem rechteckigen
100 m x 28 m großem Becken, das in eine Schwimmabteilung
und in einen Nichtschwimmerbereich mit
Planschbecken unterteilt war. Als weitere Bestandteile
des Freibades wurden um 1925 ein Sprungturm und ein
Umkleidetrakt errichtet. Damals wurde die neue Badeanstalt
an sonnigen Tagen von rund 2.000 Luckenwaldern
täglich frequentiert.

 
In den 80er Jahren wurde das Freibad umgebaut. Anstelle
des alten Beckens entstanden die heute vorhandenen
Badebecken. Es ist davon auszugehen, dass das alte
Becken nicht vollständig entfernt wurde. Die Höhenlage
des heutigen Beckens lässt darauf schließen, dass
es oberhalb des vorherigen Beckens angelegt wurde.

 
Die Becken des Freibades befinden sich seit einigen Jahren
in einem maroden Zustand. Zur Aufrechterhaltung
des Freibadbetriebes ist eine Generalsanierung notwendig.
Eine “kleine Variante” der Sanierung ist nicht möglich,
da nicht nur das Becken, sondern auch die Wasseraufbereitungsanlage
und das dazugehörige Leitungsnetz
erneuert werden müssen.Auch das Umkleide- und Sanitärgebäude
entspricht nicht den modernen Ansprüchen.

 
Für die Sanierung des Bades wurden im Rahmen einer
Projektstudie zwei grundsätzliche Varianten untersucht:
1. Konventionelle Sanierung durch ein “eingestelltes”
Edelstahlbecken
2. Umbau der vorhandenen Anlage in eine Naturbadeanlage.

 
Anders als das ursprüngliche Handwerkerbad würde ein
modernes Naturbad allerdings mit Brunnenwasser gespeist
werden. Als Nennbelastung wurden 300 Besucher
festgelegt, dies entspricht den aktuellen Besucherzahlen.

 
Schwerpunkt der Studie war die Ermittlung der Herstellungs-
und Betriebskosten für die beiden Varianten.
Nach der vorliegenden Studie ist das Naturbad deutlich
kostengünstiger als das konventionelle Bad. Die Kostenschätzung
für das Naturbad birgt aber sehr viel höhere
Risiken als die für das konventionelle Bad, so dass hier
noch weitergehende Untersuchungen (insbesondere des
Baugrundes) erforderlich sind. Zur Aufgabenstellung gehörte
auch, Möglichkeiten für die Angliederung eines
Campingplatzes im westlich angrenzenden Pappelwald
zu prüfen sowie die Planung einer Stellplatzanlage, die
auch den Stellplatzbedarf der angrenzenden Freizeiteinrichtungen
Flaeming-Skate®, Fläming-Hochseilgarten
und Jagdgaststätte decken soll. Auf der Basis der Studie
und nach Prüfung der Plausibilität der vorliegenden Entwürfe
und der Kostenermittlungen kann nun die öffentliche
Diskussion erfolgen und die politische Entscheidung
für eine festzulegende Vorzugsvariante getroffen
werden. Das Vorhaben könnte ab 2009 in mehreren
Bauabschnitten realisiert werden.

Plan von 1925
 Plan von 1925

Freibad Elsthal Variante, Naturbad
 Freibad Elsthal Variante, Naturbad

Schema der Aufbereitung des Wassers
 Schema der Aufbereitung des Wassers
 Download  (PDF 43,2 KB)

Naturbadeteich
 Naturbadeteich

Freibad Elsthal Variante, Edelstahlbecken
 Freibad Elsthal Variante, Edelstahlbecken

Schema der Aufbereitung des Wassers im Edelstahlbecken
 Schema der Aufbereitung des Wassers
 Download (PDF 148 KB)

Edelstahlbecken
Edelstahlbecken


Stadt Luckenwalde aktualisiert: 03.05.2011

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