Stadtrundgang - Route 1

(Streckenlänge: ca 7,5 km)


Hotel "Vierseithof"

Vierseithof (1)

Dieses Gelände, auf dem sich heute eine moderne Wohn- und Hotelanlage befinden, ist für Luckenwalde von großer historischer Bedeutung. Hier entstand 1780-1785 auf Veranlassung Friedrich II. von Preußen, die "Große Fabrik".

Hintergrund  war ein Brand in der Stadt Gera, in der über 200 Zeugmacher obdachlos wurden. Friedrich II. ergriff die Gelegenheit, die in der Mark Brandenburg noch wenig bekannte Zeugweberei einzuführen und sich somit das Geraer Absatzgebiet zu sichern. Die Wahl fiel auf Luckenwalde. Man errichtete die Große Fabrik und stellte den Geraern Webern Webstühle zur Verfügung. Die Rohstoffversorgung und den Absatz der Fertigware übernahm der Verleger. Durch Fehlschläge in der Produkton kam es zur Versteigerung der Fabrik. 1806 übernahm der Luckenwalder Tuchmacher Gottlieb Busse die Fabrik, die er 1819 an seinen Schwiegersohn, den späteren Geheimen Kommerzienrat von Carl verkaufte. Die Firma Tannenbaum, Pariser & Co. erwarb sie 1853. Drei Generationen wurde sie von der jüdischen Familie Pariser mitgeleitet, bis das Unternehmen der Weltwirtschafts- krise von 1929 zum Opfer fiel.

Nur wenige Gebäude vom damaligen Volltuchgelände sind heute noch erhalten, darin befinden sich das Vier- sternehotel und Restaurant "Vierseithof", die Kunsthalle und eine Bowlingbahn. Im unter Denkmalschutz stehenden Vierseithof blieb die Struktur des Gebäudes weitgehend unangetastet. Beim Freilegen der Decke in der Weberstube, fand man sogar eine schöne preußische Kappendecke.

Kunsthalle
Kegelbahn

Der Haag
Gegenüber vom ehem. Volltuchgelände befindet sich der Nuthepark. Früher ein mit Buschwerk bewachsener Uferstreifen, sollte der Stadt einen gewissen Schutz geben und die fehlende Stadtmauer ersetzen. Das Ufer des Nutheflusses bildete die ehemalige Ortsgrenze.

Käthe - Kollwitz Straße

Käthe - Kollwitz Straße (2)

In der Käthe-Kollwitz-Straße stehen noch einige Häuser, die gleichzeitig mit dem Bau der "Großen Fabrik", 1780-1785 auf Staatskosten errichtet wurden.
In dieser damaligen Geraer Straße , auch die "Geraer Kolonie" genannt, wurden die Spinner und Zeugmacher untergebracht.  

Synagoge

Synagoge (3)

Im Jahre 1869 gründete sich in Luckenwalde eine  jüdische Gemeinde. Am 04.10.1897 wurde die Synagoge in der Puschkinstraße (damals Carlstraße) eingeweiht. Bis zu diesem Zeitpunkt fanden die Gottesdienste in gemieteten Räumen und Privatwohnungen statt. Den Bau für die Synagoge entwarf und leitete der Regierungsbaumeister Gerstenberg aus Berlin. Das fertige Gotteshaus diente der Synagogen- gemeinde viele Jahre als Heimstätte. In der Luckenwalder Zeitung finden wir bis zum 15. April 1933 die Ankündigungen für die Gottesdienste der jüdischen Gemeinde. Am 10. und 11. November 1938 (Novemberprognom) wurde die Synagoge und die Inneneinrichtung verwüstet.
Auf dem jüdischen Friedhof (am Grünen Weg) erinnern heute drei Findlinge und eine Gedenktafel an den zerstörten Begräbnisplatz.

Bahnhof

Bahnhof (4)

Im Jahre 1841 erhielt Luckenwalde die Berlin - Anhalter Eisenbahn. Der Bahn- anschluss war ein Verdienst des Geheimen Kommerzienrat Heinrich Conrat von Carl. Als Vorsitzender des Verwaltungsrates der Berlin - Anhalter - Eisenbahn sorgte er dafür, dass die Bahn nicht wie geplant über Treuenbrietzen, sondern über Lucken- walde gelegt wurde. Am 21.04.1841 fuhr die erste Eisenbahn. 1917 wurde die Bahnstrecke auf einen Hochdamm gelegt, dadurch gab es im Stadtgebiet keine Bahnschranken mehr und das Gebiet hinter der Bahn konnte sich entwickeln. Heute braucht der Regionalexpress für die Strecke Luckenwalde-Berlin/Schönefeld ca. 30 Minuten.

Pianofabrik (5)

Die Gebrüder Karl und Herrmann Niendorf gründeten im Jahr 1896 die Pianofabrik Luckenwalde. Um ihre Ideen zu verwirklichen holten sie sich einen angesehenen Konstrukteur aus Berlin und setzten erfahrene Tischlergesellen aus der Region ein. Die Flügel wurden in fünf verschiedene Größen gebaut, vom kleinen Salonflügel, bis zum Orchester-Konzert-Flügel. In erster Linie gingen die Klaviere in den Export undwurden in ganz Europa un Übersee hoch geschätzt. Während der Zeit der Kriegsjahre kam der große Niedergang, wie bei allen Unternehmen, die nicht für die Rüstung und für den Krieg produzierten. Auf Grund der guten Qualität konnten nach dem Krieg wieder alle Handelsbeziehungen aufgenommen werden und die Produktion steigerte sich schnell. Unterdessen wurde die Pianofabrik wieder privatisiert und konnte das 100-jährige Bestehen feiern. Heute werden ca. 60% der Produktion nach Japan exportiert.

Friedhof - Stalag III A (6)

1936/37 begannen Beauftragte des "Reichsfiskus-Heer" Parzellen von Grundstück- besitzern am Zapfholzweg zu erwerben. Anfang November 1939 war das riesige Areal mit einem doppelten Stacheldrahtzaun umgeben, der in regelmäßigen Abständen von Wachtürmen unterbrochen wurde. Es entstand das Kriegs- gefangenenstammlager- das Stalag III A - mit einer Kapazität von 20 000 Kriegsgefangenen. Neben dem Stammlager in Luckenwalde gab es kleinere Außenlager und Arbeitskommandos unterschiedlicher Größenordnung, verstreut über das gesamte Gebiet des heutigen Landes Brandenburg. Der Großteil der im Luckenwalder Stalag III A inhaftierten Gefangenen wurde zur Arbeit in Industrie, Handwerk und Landwirtschaft verpflichtet. Forschungen ergaben , dass im Hauptlager ständig 8.000 bis 10.000 Kriegsgefangenen untergebracht waren und ca. 30.000 in den Außenkommandos. Im Stalag IIIA, waren Gefangene aller am Krieg beteiligten Nationen, einschließlich ihrer Kolonien interniert. Nach bisherigen Untersuchungen starben im Stalag III A 5.000 bis 6.000 Gefangene, darunter sehr viele aus der Sowjetunion, die im strengen Winter 1941/42 einer Fleckfieberepedemie zum Opfer fielen. Ende April 1945 wurde das Luckenwalde Kriegsgefangenenlager von Einheiten der Roten Armee befreit. Seit Januar 1999 befindet sich im Heimatmuseum der Stadt eine Dauerausstellung zum Thema "Stalag III/A" .

Waldfriedhof (7)

1921 beschloss die Stadt einen neuen Friedhof zu errichten, der für alle Konfessionen offen sein sollte. 1922 wird die Anlage eingeweiht. Mit diesem Bau gelang Luckenwalde der Anschluss an die Friedhofs- Reformbewegung in Deutschland. Richard Neutra wurde mit der Planung betraut und setzte mit großer Gestaltungskraft expressionistisches Gedankengut um und machte diesen Friedhof zu einem der bedeutendsten im Land. "Kristalline Formen, gebrochene Winkel, mythologische und symbolische Übersteigerungen der Form, grelle Farb- und Lichteffekte".(Jacobs 1992 S.21). Damit dieses Kleinod in der Stadt erhalten bleibt erfolgt seit 1997 die garten-denkmalpflegerischen Sanierung.

St. Petri Kirche

St . Petri Kirche (8)

Nach Eröffnung der Eisenbahnstrecke wuchs die Gemeinde im Westteil der Stadt. Neben der Kirche St. Johannis (Marktplatz) wurde ein zweiter Kirchbau erforderlich.
Superintendant Zander gelang es, die maßgebenden Instanzen für den Kirchbau zu interessieren und einen Teil der Baukosten aufzubringen. Am 14.09. 1890 fand in der Frankenstraße die feierliche Grundstein- legung statt.
Die in gotischen Formen (Neogotik) gebaute Kirche mit 350 Plätzen erhielt nach einer behördlichen Anordnung vom 28.04.1892 den Namen St. Petri.

Amtsgericht

Amtsgericht (9)

Das Amtsgericht, dieses repräsentative Gebäude, wurde 1913 errichtet.
1540 übertrug das Kloster Zinna dem Luckenwalder Rat die Gerichtsbarkeit in allen Polizeisachen. Im gleichen Jahr legte sich Luckenwalde sein Wappen zu . Für Liebhaber schöner Holzkunst ist besonders die Innenarchitektur sehens- wert.

St. Joseph

St. Joseph Kirche (10)

Die katholische Gemeinde hielt ihre Gottesdienste von 1833 bis 1847 in einer gemieteten Tuchmacherstube ab und baute sich danach eine kleine Kapelle in der Zinnaer Straße. Diese erwies sich bald als zu klein. 1908/1909 entstand in der Lindenallee das neue Pfarr- haus. Gleich daneben baute man in den Jahren 1913/1914 die St. Joseph Kirche.

Papierwarenfabrik

Papierwarenfabrik (11)

Auf dieses Fabrikgrundstück zog im Jahre 1928 die Papierwarenfabrik Hermann Henschel, die schon 1867 an einem anderen Standort als Buchbinderei und Bijouteriewarengeschäft gegründet wurde. Angeregt durch eine ärztliche Abhandlung über die unhygienische Verpackung von Lebensmittel in Zeitungspapier, versuchte Henschel eine neue Verpackung herzustellen, die allen Ansprüchen gerecht werden sollte. 1867 wurde aufgrund seiner Erfindung in dieser Fabrik der erste Pappteller hergestellt.

ehemaliges Postgebäude

Ehem. Postgebäude (12)

Dieses Backsteingebäude im Neore- naissancestil erbaut, beherbergte die Hauptpost. Noch im Jahre 1717 erhielt Luckenwalde seine Post von Treuen- brietzen. Die Posthalterei lag 1766 im Hause Markt 17/18. Nachdem die Postexpedition erster Klasse (1841) zum Postamt erhoben wurde, brachte man dieses im Hause Breite Straße 33 unter. Am 1.04.1890 begann hier der Bau des Postgebäudes und am 30.09.1891 wurde der Dienstbetrieb eröffnet.



Stadt Luckenwalde aktualisiert: 14.07.2005

zurück zur Homepage der Stadt Luckenwalde