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13.10.2020

90 Jahre Stadttheater Luckenwalde

In Ergänzung zur letzten Ausgabe der Pelikan-Post gehen wir in diesem Text ganz konkret auf die wohl allererste Kulturveranstaltung im heutigen Stadttheater ein. Bereits am 15. September 1930 gab es die erste Nutzung der Aula der Friedrich-Ebert-Schule, als die das Theater offiziell gebaut wurde. Das Ostdeutsche Landestheater Berlin-Steglitz lud ein zum „Vorspiel auf dem Theater von Goethe ...Vater sein dagegen sehr!“, einer Komödie von Edward Carpenter.

Aus alten Quellen, z. B. im Bestand des HeimatMuseums, ist bekannt, dass es schon vor 1900 Theateraufführungen in großen Restaurationen in Luckenwalde gab. Dies muss damals in Mode gekommen sein und war in vielen Städten rund um Berlin zu finden.

Ab September 1930 sind dann regelmäßig Veranstaltungen im Theatersaal durchgeführt worden, der nur noch selten als Aula der Friedrich-Ebert-Schule bezeichnet wird.

Auch in der Abo-Bewerbung bleibt die Volkshochschule zunächst im Vordergrund. Mindestens ab 1931 wird das Haus selbst mehr in den Fokus gerückt. Es wird der Begriff „Städtischer Theatersaal Luckenwalde“ genutzt. Dies stand damals auch auf den Garderobenmarken für die Zuschauerjacken, aber in abgekürzter Form. Damals hatte das Theater noch kein eigenes Ensemble. Die Technische Leitung und die Bühnenbilder übernahm aber jeweils Hans Graf, im Hauptberuf bei der Stadt Luckenwalde als Stadtbaumeister tätig.

Später folgt dann die Begrifflichkeit „Stadt – Theater Luckenwalde“ in getrennter Schreibweise.

Von 1937 bis 1944 war ein eigenes Ensemble am Haus, welches auch in anderen Städten Gastspiele gab. Einige Luckenwalder können sich daran noch erinnern. Die später berühmten Darsteller Willi Schwabe (Moderation der TV Sendung Rumpelkammer von 1955 bis 1990) und Wolfgang Kieling spielten hier in Luckenwalde einige Zeit.

Hierzu ist die Quellenlage besser. Der Deutsche Bühnenverein (1846 gegründet) bringt jährlich ein Bühnenjahrbuch zu allen Ensemble-Häusern heraus. Nur der Name des Luckenwalder Ensembles änderte sich zwischendurch. Aus I. Kurmärkisches Landestheater G. m. b. H. wurde 1940 das I. Landestheater der Mark Brandenburg G. m. b. H. (Wanderbühne).

1944 musste das Stadttheater kriegsbedingt schließen. Ab 1945 wurde das Gebäude durch die Rote Armee genutzt. 1946/1947 gab es Kulturveranstaltungen, zu denen die deutsche Bevölkerung zugelassen war. Eine original russische Eintrittskarte (Bilet – Haus der Offiziere) von 1946 wurde beim Umbau der Bestuhlung 1997 gefunden.  

1952 wurde das Stadttheater als Gastspielhaus wiedereröffnet.

In den 1970er Jahren kam dann das Kürzel „Kulturhaus – Stadttheater“ hinzu, das im Schriftverkehr zeitweise bis 1990 genutzt wurde. Seit 1990 ist der Name in der Korrespondenz durchgehend „Stadttheater Luckenwalde“. Fragen sind nun, sind wir in der Bundesrepublik das einzige Stadttheater mit einer direkt benachbarten Schule und sind wir das einzige Stadttheater mit Saalfenster(n)?

Seite drucken | Autor: Andreas Kitzing | zuletzt geändert am: 13.10.2020