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Beistand und Hilfe im Quartier - Was Alltagsbegleiter so tun

Zwei Frauen sind an einem Luckenwalder Küchentisch vertieft in der Wochenplanung. Termine beim Jobcenter und Optiker, Besorgung von Schulbüchern in der Buchhandlung, Anmeldungen im Seepferdchenclub und der Kauf eines passenden Fahrrades stehen auf dem Aufgabenzettel. Renate Schütte hört aufmerksam zu, wenn Shirin ihre Vorhaben benennt. Dann besprechen sie gemeinsam, was in den nächsten Tagen erledigt werden muss. Frau Schütte macht Vorschläge zur Umsetzung und hilft bei der Verwirklichung.

Shirin, eine junge Frau aus Syrien, und ihre achtjährige Tochter sind 2015 nach Deutschland gekommen, fanden eine Bleibe im Übergangswohnheim Quellenhof und bewohnen jetzt eine kleine Wohnung im Luckenwalder Stadtzentrum.

Frau Schütte kam 1993 aus dem Münsterland nach Jüterbog und hat hier mit ihrem Mann ein Zuhause gefunden. Die Frau hat viel von der Welt gesehen und Erfahrungen in der Fremde gemacht: „Im Urlaub habe ich erlebt, dass man ohne Sprachkenntnisse Hilfe braucht, um zurecht zu kommen“. Diese Hilfe hatte sie erhalten und nun unterstützt sie als ehrenamtliche Begleiterin Shirin und die Tochter im Alltag.

Beide lernten sich über die Flüchtlingshilfe Jüterbog und das Diakonische Werk Teltow-Fläming e.V. bereits in Jüterbog kennen. Seit Herbst 2015 kann Shirin auf die Hilfe der älteren Frau zählen – sei es als Begleiterin zum Arzt beim Ersttermin oder bei Behördengängen, versierte Prüferin der wöchentlichen Post, Organisatorin eines passenden Handwerkers oder Trösterin, wenn bei Heimweh die ein oder andere Träne fließt.

Von Beginn an war es für Frau Schütte klar, dass sie die Familie über längere Zeit begleiten wird. Sie erklärt ihrem Schützling Fragen des Alltags, sie gibt immer wieder Einblicke in die eigene Kultur und regt an, am Luckenwalder Leben teilzunehmen.

Was hat sie denn davon außer einer anspruchsvollen Aufgabe und einem gut gefüllten Kalender? Ihre Antwort: „Ich habe gelernt, mir Zeit zu nehmen für die Besuche. So lasse ich mich ein auf die Plauderei beim gemeinsamen Tee oder Kaffee, genieße das Zusammensein mit Shirin und ihrer Tochter und erfahre viel über eine andere Kultur. Mittlerweile erlebe ich meinen eigenen Alltag mit mehr Gelassenheit und habe auch viele neue Seiten an mir kennen gelernt.“

Rückenstärkung erfährt Frau Schütte von ihrem Mann. Mit ihm bespricht sie oft Anliegen oder sucht nach Lösungen für Probleme. Wenn sie etwas nicht klären kann, dann wendet sie sich an das Diakonische Werk Teltow-Fläming e.V. Sie ist begeistert von der Zusammenarbeit mit den dortigen Migrationsberatern und auch von den kompetenten Mitarbeitern bei Jobcenter und Jugendamt.

Wann wird ihr Beistand nicht mehr benötigt? Frau Schütte: „Der Zeitpunkt ist wohl erreicht, wenn die Erwachsenen sehr gut Deutsch sprechen, eine Arbeit gefunden haben, die Kinder einen guten Schulabschluss erreichen und einen passenden Ausbildungsplatz finden. Bis dahin wird es noch zahlreiche wöchentliche Treffen geben. Shirin kann schon viele Dinge ganz selbständig erledigen.“ So hat die Rentnerin noch Zeit für andere Hilfen. Das Telefon klingelt: Für den Anschluss von Waschmaschine und Kühlschrank bei anderen jungen syrischen Frauen muss ein Handwerker her und es gibt Liebeskummer.

Menschen aus unterschiedlichen Kulturen haben in Luckenwalde ein Zuhause gefunden. Direkte Nachbarn als stille Helfer oder Luckenwalder Bürger in ehrenamtlichen Initiativen bieten Beistand, Unterstützung und Freundschaft an - im Quartier und im ganzen Stadtgebiet. Ein großes und herzliches Dankeschön an Sie alle!

Gern können Sie sich bei Anke Habelmann melden, wenn Sie hier mit unterstützen wollen.

Fördermöglichkeit:

Gefördert durch das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend kann das DRK im Rahmen des Bundesprogramms „Menschen stärken Menschen“ Patenschaften für geflüchtete Menschen von jeweils 200 € stiften.

Die Patenschaften sind darauf ausgerichtet, geflüchtete Menschen zu befähigen, den diversen Anforderungen des Alltags zunehmend selbständiger nachzukommen. Inhalt und Form der Patenschaften richten sich dabei individuell nach dem, was zwischen dem Paten und dem „Patenkind“ konsensfähig ist und organisiert werden kann.

Die 200 € können dabei bspw. für Fahrkosten, Eintrittsgelder oder auch einem Imbiss bei gemeinsamen Erkundungen genutzt werden.

Ansprechpartner für dieses Programm:

DRK Kreisverband Fläming-Spreewald e. V., Jan Spitalsky, spitalsky.jan@drk-flaeming-spreewald.de

Seite drucken | Autor: Anke Habelmann | zuletzt geändert am: 18.10.2017