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Große Auftaktveranstaltung zum Stadtjubiläum

Am 5. März wurde das 800. Jubiläum Luckenwaldes offiziell eröffnet. Die Eintrittskarten für die Auftaktveranstaltung waren sehr schnell vergriffen und die Vorfreude auf alle Jubiläumsveranstaltungen, die noch kommen, ist groß.

800 Jahre Geschichte an einem Abend zu präsentieren ist nicht einfach, doch mit Dr. Lutz Partenheimer vom Historischen Institut der Universität Potsdam und Heimatfreund Dietrich Maetz wurden zwei echte Profis gefunden, wie Bürgermeisterin Elisabeth Herzog-von der Heide betonte. Sie begrüßte neben alteingesessenen Luckenwaldern, Gästen und Sponsoren auch über 200 Neubürger, die im vergangenen Jahr in die Stadt gezogen waren. Neben der gesamten technischen und sozialen Infrastruktur erwarte man heute von einer Stadt auch andere Dinge. Heimat könne eine Stadt erst werden, wenn sie vertraut sei, man dort wiedererkannt werde und Begegnung stattfinde. „Meine Damen und Herren, es ist völlig klar: Man kann Stadt nicht ohne Bürger denken. Die Stadt setzt den Rahmen, z.B. mit Straßen- und Leitungsbau, der Erschließung von Wohn- und Gewerbegebieten, dem Vorhalten gut ausgestatteter Schulen, Kitas, Sportstätten und Kultureinrichtungen. Und die Bürger füllen diesen flexiblen Rahmen mit Engagement.“ Das Ehrenamt trage einen großen Teil zur Lebendigkeit Luckenwaldes bei. In Zeiten, in denen laut einer Studie der ZEIT die Hälfte aller Deutschen Angst vor Ausländerfeindlichkeit habe (und nicht einmal ein Drittel vor Überfremdung), sei Begegnung zwischen Alteingesessenen und Hinzugekommenen besonders wichtig. „Mir machen Erfahrungen aus den letzten Jahren Mut. Es hat sich nämlich gezeigt, dass diese Stadt ein Ort ist, in dem auch Zivilcourage und Solidarität zuhause sind. Sorgen Sie weiterhin mit dafür, dass diese beiden hier sesshaft bleiben.“ Zahlreiche Vereine, ehrenamtliche Aktivitäten und Veranstaltungen schaffen Orte der Identifikation und bringen Menschen zusammen. „Im Jubiläumsjahr legen wir noch ein Schippchen mehr drauf. Gemeinsam feiern, erinnern und vorausschauen und dabei möglichst viel selbst auf die Beine stellen, also die vorhandenen Kapazitäten und Kompetenzen am Ort nutzen und abrufen: Das macht den besonderen Charakter unseres Jubiläumsprogramms aus.“

„Geschichte ist nicht nur Geschehenes, sondern Geschichtetes – also der Boden, auf dem wir stehen und bauen.“, zitierte sie den Theologen Hans von Keler. „Um festzustellen, wie solide das Fundament ist, nehmen wir heute ein paar Suchschachtungen vor und legen an einigen Stellen Schichten vergangener Jahrhunderte frei – ohne den Anspruch auf Vollständigkeit.“

Dr. Lutz Partenheimer, der die Professur für Geschichte des Mittelalters am Historischen Institut der Universität Potsdam innehat, erläuterte die Urkunde, der Luckenwalde das Jubiläum verdankt. Im Gegensatz zu vielen Städten, die das eigene Jubiläum auf irrtümliche Quellen stützen und zum – aus historischer Sicht – falschen Zeitpunkt feiern, bescheinigte Herr Partenheimer Luckenwalde ein korrektes Datum. „Sie in Luckenwalde können mit Fug und Recht feiern.“ Er betonte dennoch, dass man keinen 800. Geburtstag feiere, sondern den 800. Jahrestag der Ersterwähnung. Luckenwalde könnte also theoretisch noch älter sein. Nur wenige Städte haben eine Gründungsurkunde und die Urkundenlage ist oft nicht eindeutig. Die 800-Jahr-Feier Luckenwaldes gründet sich auf eine Urkunde Siegfrieds II. Bischof von Brandenburg von der sogar zwei Fassungen existieren. Die beiden Urkunden tragen das richtige Siegel, wurden am selben Tag ausgestellt, jedoch an unterschiedlichen Orten. Das Rätsel um die zwei Fassungen konnte nicht vollständig gelöst werden, Dr. Partenheimer vermutet dahinter politische Motive. Die zweite Fassung nennt mehr Orte als die erste und es wäre denkbar, dass man damit den Anspruch auch auf diese sichern wollte. Beide Urkunden sind auf den 28.12.1217 datiert. Das 800. Jubiläum in diesem Jahr ist jedoch korrekt, weil der damals gültige römische Kalender das neue Jahr am 25. Dezember beginnt. Lutz Partenheimer erläuterte auf unterhaltsame Art und Weise die Zustände, die damals herrschten und betonte, dass die damaligen Bischöfe nicht nur kirchliche Würdenträger, sondern weltliche Herrscher waren. Auch im Hinblick auf die Burg, deren Überreste in der Nähe des jetzigen Kaufland-Standortes gefunden wurden, sei Luckenwalde für Mittelalterhistoriker auch weiterhin spannend.

Im Anschluss präsentierte Dietrich Maetz eine seiner bekannten Luckenwalder Stadtgeschichte(n) und begrüßte dazu zunächst die Neubürger: „1636 wurde in Luckenwalde ein Bürgereid eingeführt in dem es hieß: ‚Nachdem ich zu einem Bürger und Untertanen des Städtleins aufgenommen, werde ich dem ehrlichen Rate allen schuldigen Gehorsam erweisen und des Städtleins Bestes suchen…‘ Frau Bürgermeisterin hat Ihnen diesen Schwur nicht abverlangt, denn auch ohne ihn sind Sie in Luckenwalde herzlich willkommen.“ Begleitet von einer Multimediapräsentation von Roman Schmidt, dem Leiter des Luckenwalder HeimatMuseums, ging Herr Maetz genauer auf die Luckenwalder Burg ein und den Namen Luckenwalde, dessen Herkunft und Bedeutung bis heute unklar ist. „Es ist mein Part, ein wenig über die Zeit vor und nach der Ersterwähnung zu berichten, denn diese Urkunde ist ja kein Gründungsdokument, sondern sie ist der Beginn der schriftlich belegten Stadtgeschichte.“ (Der Vortrag wird in den kommenden Ausgaben der Pelikan-Post vollständig abgedruckt.) Bürgermeisterin Elisabeth Herzog-von der Heide würdigte die umfassende Arbeit von Dietrich Maetz an der Luckenwalder Chronik, die noch im Jubiläumsjahr erscheinen wird.

Das Renaissance-Orchester der Kreismusikschule begleitete den Abend mit einer musikalischen Reise in die Vergangenheit.

Im Anschluss war eine der Originalurkunden bei der Langen Nacht des Museums ausgestellt. Noch bis zum 10. April kann sie kostenlos im HeimatMuseum Luckenwalde besichtigt werden.

Seite drucken | Autor: Sonja Dirauf | zuletzt geändert am: 09.11.2016