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Rede der Bürgermeisterin zur Ausstellungseröffnung RathausGalerie am 22. November 2017

Liebe Premierengäste,

unsere Rathausgalerie hat eine kleine Vorgeschichte. Im letzten Jahr hatte ich Besuch von Herrn Maywald. Er bemängelte, dass die dem Museum geschenkten Bilder bloß eingelagert würden und das stehe im Widerspruch zu ihrer Bestimmung. Denn ein Künstler möchte seine Werke ausgestellt wissen. Aus diesem Grund hätte er gern das dem Museum geschenkte Bild seines Verwandten zurück, das ihm besonders wichtig sei. Ein Geschenk zurückgeben, das geht nicht. Auch Sie werden wahrscheinlich in ihrer frühen Kindheit gelernt haben: „Geschenkt – wiedergenommen – dreimal durch die Hölle gekommen!“ Und diesen Qualen wollen wir natürlich niemand aussetzen.

Aber an der Kritik von Herrn Maywald ist ja etwas dran. Und so reifte die Idee, aus dem reichen Geschenkeschatz Werke auszuwählen, die in Wechselausstellungen zeitweise das Rathaus schmücken. Sie können so den Menschen zugänglich gemacht werden, die im Rathaus arbeiten oder es wegen Behördengängen besuchen. Ähnliche Konzepte werden ja auch im Kreishaus und in der Gemeindeverwaltung in Ruhlsdorf verfolgt.

Was die Umsetzung derartiger Ideen anbelangt, so kann ich es mir sehr leicht machen und das tue ich auch. Das habe ich auch schon erfolgreich bei der Vorbereitung auf das Jubiläumsjahr Luckenwalde 800 getan. Ich gehe nämlich zu Frau Kaiser und sage: „Frau Kaiser, ich hab da mal eine Idee ...“ Dann sehe ich, wie Frau Kaiser blass wird, ihr der kalte Schweiß ausbricht, sie vielleicht auch noch einmal tief seufzt. Aber ich weiß, dass sie sofort ihre kleine grauen Zellen rotieren lässt. Ab diesem Zeitpunkt überlass´ ich alles dem kaiserlichen Selbstlauf. Denn die nun startende Phase ist harte Arbeit. Nach ein paar Monaten reibe ich mir dann verwundert die Augen, wenn ich sehe, was Frau Kaiser und ihre Mitarbeiterinnen Frau Rottke und Frau Jähner alles so ausgetüftelt und stilvoll umgesetzt haben – wohlgemerkt als Laien im Kuratorengeschäft und neben ihren eigentlichen Verwaltungsaufgaben.

  • Das Bilder-Material zu sichten,
  • ein Thema zu wählen,
  • die dazu passenden Arbeiten auszuwählen,
  • das Format RathausGalerie inkl. Logo zu entwickeln,
  • Raum und Zeit zu bestimmen,
  • eine technische Lösung zu finden, um die Bilder gleichberechtigt so zu präsentieren, dass sie auf den Betrachter wirken können,
  • Kontakt zu den Künstlern aufzunehmen,
  • deren Biografien und künstlerischen Werdegänge nachzuhalten und in geeigneter Form zu vermitteln
  • bis hin zu einem liebevoll gestalteten Ausstellungskatalog und der Schaffung eines würdigen Rahmens für die Ausstellungseröffnung – all das gehört dazu.

Mein erster Dank gilt deshalb meinen Kolleginnen.

Mein zweiter Dank gilt den Künstlerinnen und Künstlern für ihre Werke – die dank ihrer Großzügigkeit nun im Eigentum der Stadt sind und für ihre Bürger und Besucher erneut zugänglich gemacht worden sind. Allerdings unter anderen Vorzeichen: Widmet sich die Heimatmuseumsausstellung in aller Regel einem Künstler und der Bandbreite seines Schaffens, so wird hier ein anderer Ansatz verfolgt: 14 Künstlerinnen und Künstler stellen mit jeweils einem Landschaftsbild aus. 14 ganz unterschiedliche Handschriften, die sich dennoch zu einer vielfältigen Ausstellung fügen.

Aus dem „Geschenkefundus“ wurden für diese Ausstellung Bilder ausgewählt, die unter die Überschrift „Landschaften“ passen. Ganz unterschiedliche Techniken werden präsentiert: Öl- und Aquarellmalerei, Pastellkreide, Tusche und Bleistiftzeichnung. Auch die Biografien der Künstler sind sehr unterschiedlich: wir haben Absolventen von Kunstschulen, wir haben Autodidakten und Menschen, die sich über Kurse und Workshops weitergebildet haben. Mit Gertrud Erdmann macht eine Luckenwalderin auf ihr Können aufmerksam, die erst im Alter von 77 Jahren den Weg zur Malerei gefunden hat. Wir können sogar eine Luckenwalder Künstlerdynastie aufbieten: mit Erika Haase und in der nächsten Generation Bettina Haase-Scherneck. Ich halte es auch für besonders erwähnenswert, dass diese Ausstellung eine sehr weibliche ist: zehn der 14 Bilder stammen von Künstlerinnen.

Ich finde das spannend. Angenommen, Ihnen würde die Aufgabe gestellt nur anhand der Bilder herauszufinden, welches Bild von einer weiblichen Autodidaktin im Alter von über 77 Jahre stammt, so hätten Sie meiner Meinung nach nur eine Chance von 1:14, die richtige Lösung zu finden.

Es macht mir Freude, die Bilder dieser Ausstellung zu betrachten und mich an der Vielfalt zu begeistern. In vielen erkenne ich aufgrund des gewählten Motivs eine Verbundenheit mit dieser Region, die ich nachempfinden kann. Ich erkenne aber auch, dass das Meer ein weiterer Sehnsuchtsort ist.

Machen Sie sich heute auf die Reise durch Landschaften, kommen Sie mit den hier anwesenden Künstlern und Künstlerinnen ins Gespräch und lassen Sie uns wissen, wie Ihnen der Auftakt der Rathausgalerie gefällt.

 

 

 

Seite drucken | Autor: Elisabeth Herzog-von der Heide | zuletzt geändert am: 23.11.2017