Stadtentdecker mögen's kunterbunt
Im August 2013 starteten die Mädchen und Jungen der Klasse 4b der Friedrich-Ebert-Grundschule ein spannendes Schulprojekt. Das Verbundprojekt der AG Städtekranz Berlin-Brandenburg und der Brandenburgischen Architektenkammer ist ein Beitrag zum Themenjahr Kulturland Brandenburg 2013 "spiel und ernst - ernst und spiel. kindheit in brandenburg". Im Vordergrund sollten sich die Schülerinnen und Schüler mit interessanten Gebäuden und deren Umfeld in Luckenwalde beschäftigen und abschließend eigene Verbesserungsvorschläge einbringen.
Die Ergebnisse wurden am 20. Februar einem großen Publikum im Kreishaus präsentiert. Neben den Muttis, Vatis und Großeltern der Schüler interessierten sich Stadtverordnete, Lehrer, Erzieher und Architekten für die Ideen des Nachwuchses. Bürgermeisterin Elisabeth Herzog-von der Heide bedankte sich bei den Mädchen und Jungen für die spannende Ausstellung: "Es ist schon etwas besonderes, wenn sich eine vierte Klasse über ein ganzes Schulhalbjahr mit ihrer Stadt beschäftigt." Ausdrücklich bedankte sie sich bei den Architekten Christian Michael Küssner aus Kleinmachnow und Peter Neideck aus Potsdam sowie der Deutschlehrerin Christin Stachowiak für ihr Engagement.
Jürgen Schweinberger vom Ministerium für Infrastruktur und Landwirtschaft des Landes Brandenburg verwies auf die Rolle der Stadtentwicklung und das Instrument der Bürgerbeteiligung: "Damit die Menschen hier bleiben, sollten sie sich auch einbringen." Er glaubt, dass das Schulprojekt der "Anfang eines weiter auszubauenden Prozesses" sei, und freute sich auf die Vorstellung der Ergebnisse.
Mit einem eigenen Klassentitel stellten sich die Mädchen und Jungen der "4b" dem Publikum musikalisch vor, ehe sie mit der Präsentation begannen.
In 6 Etappen machten sich die 27 Schüler gemeinsam mit Lehrerin Christin Stachowiak, den Architekten Christian Michael Küssner und Peter Neideck mit Unterstützung des Schulsozialarbeiters Jens Bunk und Ekkehard Buß vom Stadtplanungsamt ans Werk. Schritt 1 war das Einzeichnen des eigenen Schulweges in den Stadtplan. Architekt Neideck stellte in der Beobachtung der Kinder fest, dass ihr Blick nur auf den Boden gerichtet ist und sie meist nicht die Umgebung wahrnehmen. Dies änderte sich bei der Stadttour am 28. August.
In zwei Gruppen waren die Schüler auf dem Boulevard, der künftigen Nuthepromenade und dem Burggelände unterwegs. Im Nachgang brachten die jungen Stadtentdecker ihre Eindrücke zu Papier. Die Zeichnungen zeigten auch - grau in grau - baufällige Häuser mit zerschlagenen Fensterscheiben.
Die Viertklässler wünschen sich mehr Farbe an den Gebäuden. Fortan entwickelten sie Pläne für die Standort-Neugestaltung an der alten Feuerwache und der neuen Nuthepromenade. Eindrucksvolle, kunterbunte Zeichnungen und Modelle entstanden, die die Schüler den Gästen selbst erklären durften.
Die Einstellung der Schüler lobte auch die Bürgermeisterin: "Ihr habt euch Gedanken gemacht, was euch an der Stadt gefällt und was ihr nicht mögt. Ihr habt aber nie bloß gemeckert, sondern ihr habt auch darüber nachgedacht, was man wie verändern und verbessern könnte."
Enrique Behrendt und Nino Spielmann kreierten einen Baumhausspielplatz, Tim Mosisch und Nils Kühne entwarfen einen Kinderturm, Isabel Tanczos und Angelique Vorwerk nannten ihre Schöpfung "Das tierische bunte Haus", um hier nur einige Beispiele zu nennen.
Im anschließenden Architekturgespräch wertete Moderator Dr. Jürgen Tietz, Kunsthistoriker und Journalist, mit den Schülern und erwachsenen Beteiligten die Projektzeit aus. Am Ausstellungstag waren die Mädchen und Jungen schon etwas aufgeregt, allerdings wurde die Veranstaltung "dann doch noch ganz chillig", bestätigte Tim.
Frau Herzog-von der Heide gefiel obendrein an den Entwürfen, dass mit der Errichtung von Sitzgruppen und Eiscafés "auch an die Eltern und die älteren Generationen gedacht wurde." Lehrerin Christin Stachowiak fand es nicht immer leicht, das Thema in den Deutschunterricht zu integrieren. In ganzen zehn Doppelstunden wurde das Projekt dennoch mit viel Spaß umgesetzt. Die stellvertretende Schulleiterin Birgit Muth hätte als Mathematiklehrerin gern am Projekt mitgewirkt. Bei den Zeichnungen und dem Modellbau galt es mathematische Kenntnisse anzuwenden, wie räumliches Denken und Bestimmung von Flächeninhalt und Maßstab.
Besonderen Beifall bekam Fatima Islamova für ihre kluge Einleitung "Wie halte ich einen Vortrag". Dr. Tietz bewunderte abschließend die phantasievollen Arbeiten der Mädchen und Jungen, die mit viel Fleiß entstanden sind. Er lobte die ausgesprochen gelungene Präsentationsveranstaltung und das Engagement aller am Projekt Beteiligten.
Die Arbeiten der Schülerinnen und Schüler sind noch bis zum 07. März 2014 im Foyer des Kreishauses Luckenwalde ausgestellt.
In der ersten Juniwoche ist eine große Abschlussveranstaltung der Verbundprojekt-Teilnehmer geplant. Aus den beteiligten Schulen der sieben Mitgliedsstädte des Städtekranzes - Brandenburg an der Havel, Cottbus, Eberswalde, Frankfurt (Oder), Jüterbog, Neuruppin und Luckenwalde - werden die besten Arbeitsergebnisse gezeigt.