Winterdienst

Die Stadt Luckenwalde und ihre Ortsteile bestehen aus 234 Straßen. In 33 davon sorgen die Anlieger laut Straßenreinigungssatzung selbst für den Winterdienst. Die restlichen 201 übernimmt der Bauhof. Wie funktioniert das? Wo fangen die Mitarbeiter an? Und warum macht es der Klimawandel sogar schwieriger?

13 Mitarbeiter des Bauhofs sind bei entsprechender Witterung mit neun Fahrzeugen in Luckenwalde unterwegs, um die Verkehrssicherungspflicht zu erfüllen. Bei starkem Schnee sind es 15. Trotzdem kann man mit den zwei LKW, zwei Multicar, drei Transportern und zwei Kommunaltraktoren nicht überall zugleich sein. „Es ist auch nicht das Ziel, die ganze Stadt schneefrei zu machen.“, betont Frank Dunker, Amtsleiter Bauhof. „Innerhalb der geschlossenen Ortslage besteht die Streupflicht für den Fahrzeug- und Fahrradverkehr nur an gefährlichen und zugleich verkehrswichtigen Stellen. Ob diese Voraussetzungen erfüllt sind, bestimmt sich insbesondere nach der baulichen Beschaffenheit der Straße, den örtlichen Gegebenheiten, der Verkehrsbedeutung und der Unfallhäufigkeit in der Vergangenheit unter Berücksichtigung der Leistungsfähigkeit des Streupflichtigen. Außerdem werden die Anlieger an den Kosten beteiligt. Im Vergleich zu anderen Kommunen haben wir eine geringe Straßenreinigungsgebühr für den Winterdienst. Wir machen nur so viel wie nötig und so wenig wie möglich, um diesen Betrag konstant zu halten.“ Die tatsächlich entstandenen Kosten des Winterdienstes werden mit den Gebühreneinnahmen verrechnet. Die Anlieger zahlen also nur, wenn der Bauhof wirklich zum Einsatz kommt.

Um einzuschätzen, ob der Winterdienst notwendig ist, profitieren die Bauhofmitarbeiter von langjähriger Erfahrung. Regelmäßig werden die Wetteraussichten und Wolkenradarbilder gecheckt, um die Einsätze für die Mitarbeiter planbarer zu machen und abzuschätzen, ob die Straßen glatt werden könnten. Im Team werden dann die Einsätze gemeinsam besprochen, die Zeiten und erforderlichen Einsatzkräfte festgelegt und die Rufbereitschaft verteilt. Dass man es nicht jedem Luckenwalder Bürger recht machen kann, ist beim Bauhof bekannt. Frank Dunker erklärt unterschiedliche Arten von Reifglätte, die Auswirkungen von Hochdruckgebieten und Wind, verschiedenes Streumaterial und dessen Effekte auf unterschiedliche Straßenbeläge und man bekommt das Gefühl, dass das Thema weit komplizierter ist, als man dachte. Manches Streumaterial ist auf der Straße kaum zu sehen, manches stumpft die Straße erst bei Bewegung ab, wenn einige Fahrzeuge darübergefahren sind. Anrufe von besorgten oder verärgerten Bürgern nimmt er als wertvolle Hinweise, erklärt die Hintergründe und schickt gegebenenfalls die Streufahrzeuge vorbei.

Aber wo fängt man nun an? Die 201 verbleibenden Straßen sind in Dringlichkeitsstufen eingeteilt. 83 Straßen, das sind 41 Prozent, gelten als prioritär. Das sind Straßen mit viel Verkehr, mit besonderem Gefälle, unübersichtliche Kreuzungen, verkehrswichtige oder gefährliche Stellen, Straßen mit häufigem Materialwechsel, besonders reifgefährdete Straßen usw. Stellen vor Einrichtungen wie z. B. Kitas mit viel Verkehr gelten als dringend, genauso Brücken, weil es dort schnell glatt wird. Neben den Straßenverhältnissen sind die bauliche Beschaffenheit und Stellen mit vermehrtem Unfallaufkommen zu beachten. Die gesamte Stadt ist in Streugebiete eingeteilt, die ein Fahrzeug abfährt, notfalls auch mehrmals. Dabei bleibt es den Fahrern, die das seit vielen Jahren machen, überlassen, ob auf dem Weg von einem Verkehrsschwerpunkt zum nächsten bei extremer Witterung auch einmal eine Straße mit weniger Priorität gestreut wird. Klingt effektiv. Doch dadurch dauert es länger, bis alle Straßen mit Dringlichkeitsstufe 1 abgefahren sind und es wird zusätzliches Streumaterial verwendet. Die Kosten und der Aufwand werden in die Abwägungen stets mit einbezogen.

Laut Rechtsprechung sind die Straßen zwischen 7 und 20 Uhr eisfrei zu halten. Man geht davon aus, dass die Mehrzahl der Bürger außerhalb dieser Zeiten zu Hause ist. Bei größeren Veranstaltungen und schlechtem Wetter fahren die Bauhofmitarbeiter auch länger die betroffenen Straßen ab. Generell sieht das Gesetz den Fahrzeugführer in der Pflicht, abzuwägen, ob die Straße nutzbar ist und angemessen zu fahren. Denn wichtig sind natürlich auch die eigenen Fahrkünste, der Zustand des Autos und vor allem der Winterreifen. Fahrradfahrer sieht der Gesetzgeber als gleichzubehandelnde Verkehrsteilnehmer wie jene, die ein Kraftfahrzeug benutzen. Sie müssen selbst einschätzen, ob die Straßenverhältnisse für das Rad geeignet sind. Fußgänger dagegen haben eine besondere Schutzbedürftigkeit, deswegen sind z. B. Fußgängerüberwege und öffentliche Plätze für den Winterdienst besonders wichtig.

Da unsere Leistungsfähigkeit begrenzt ist, werden Bushaltestellen, Behindertenparkplätze und die Straßen im Ortsteil Kolzenburg von externen Dienstleistern geräumt. Die Wege vor den städtischen Grundstücken und Einrichtungen übernehmen in der Regel unsere Hausmeister der jeweiligen Einrichtungen.

Am gefährlichsten sind schwierige Straßenverhältnisse, die plötzlich eintreten und für den Laien nicht auf den ersten Blick erkennbar sind, weiß Dunker. „Bei einer dicken Schneeschicht oder fallenden Flocken sieht der Autofahrer, dass er langsam und vorsichtig fahren muss. Überfrierende Nässe oder Blitzeis sind auch für uns eine Herausforderung.“ Um einsatzfähig zu bleiben, werden die schweren Streufahrzeuge dann auch mal vorsorglich im Stadtzentrum geparkt, so dass der abschüssige Grüne Weg z.B. bergauf gestreut werden kann. Statt der längeren Winter mit erwartbaren Glätteereignissen bringt der Klimawandel inzwischen einen immer häufigeren Temperaturwechsel mit den entsprechenden Auswirkungen auf die Straßenverhältnisse. Das zeigen 25 Jahre Erfahrung beim Bauhof Luckenwalde. Und natürlich darf beim Abwägen, ob gestreut wird oder nicht, auch der ökologische Aspekt nicht vergessen werden. Das Ausbringen von Streusalzen verursacht nicht nur Kosten, sondern ist auch nicht gut für unsere Umwelt. Dies ist auch ein Grund dafür, dass wir weiterhin mit einem Salz-Sand-Gemisch einige Straßen abstumpfen und der Natur nicht allzu viel schädliches Salz zuführen.

13.02.2025 
Seite drucken | Autor: Sonja Dirauf | zuletzt geändert am: 14.02.2025