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13.03.2019

Muslimische Bestattungen auf dem Waldfriedhof

Auf dem Luckenwalder Waldfriedhof sind künftig auch muslimische Bestattungen möglich. Michaela Hoffmann, Abteilungsleiterin Grünflächenplanung/Bestattungswesen und Flüchtlingskoordinatorin Anke Habelmann berichteten darüber im Ausschuss für Stadtentwicklung, Wirtschaft und Umwelt sowie im Ausschuss für Gesundheit, Soziales und öffentliche Ordnung.

Bereits im Herbst 2017 gab es erste Anfragen an die Stadt Luckenwalde, ob man sich hier auch nach muslimischen Riten bestatten lassen könne. Daraufhin gab es im März 2018 eine Gesprächsrunde u. a. mit Mitarbeitern der Abteilung Grünflächenplanung/Bestattungswesen, der Flüchtlingskoordinatorin, dem Ordnungsamt des Landkreises Teltow-Fläming sowie Luckenwaldern mit muslimischem Glauben. Zunächst musste herausgefunden werden, was eine muslimische Bestattung von einer in Deutschland üblichen unterscheidet und ob das auf dem Waldfriedhof möglich wäre.

Da das deutsche Friedhofs- und Bestattungsrecht sowie die Luckenwalder Friedhofssatzung und Friedhofsgebührensatzung für alle gelten, mussten auch Kompromisse gefunden werden.

Der islamische Glaube sieht vor, dass Muslime nur unter Muslimen bestatten werden. Das Angebot, das gemacht werden kann, ist, ein separates Gräberfeld auf dem Waldfriedhof nur für muslimische Bestattungen vorzusehen. Es befindet sich im hinteren Teil des Friedhofs und würde Platz für 15 Erdbeisetzungen bieten. Vor der muslimischen Bestattung werden üblicher Weise rituelle Waschungen durchgeführt. Auf dem Waldfriedhof steht dafür kein geeigneter Raum zur Verfügung. Die Waschungen würden deshalb woanders durchgeführt werden. Nach streng muslimischem Glauben wird der Tote in weiße Leinentücher gewickelt  beerdigt. Auf dem Waldfriedhof wäre es möglich, den Leichnam in Tücher eingewickelt in einem Sarg zu bestatten. Eigentlich sieht der Glaube es vor, Bestattungen innerhalb von 24 Stunden nach dem Tod vorzunehmen. Davon muss abgesehen werden, weil das Brandenburgische Bestattungsgesetz hier eine eindeutige Regelung vorgibt. Im Islam ist es außerdem üblich, dass männliche Angehörige das Grab ausheben und schließen. Hier ist es möglich, dass Angehörige bei der Schließung des Grabes unter fachlicher Anleitung der Friedhofsmitarbeiter mithelfen. Für muslimische Bestattungen gelten dieselben Bestattungsgebühren und Ruhefristen, wie für alle anderen Beisetzungen.

Das vorbereitete Gräberfeld konnte in Richtung der Stadt Mekka ausgerichtet werden, was für Moslems eine besondere Bedeutung hat. Grabpflege ist eigentlich kein Bestandteil islamischer Tradition, aber Beispiele anderer muslimischer Gräberfelder auf deutschen Friedhöfen zeigen, dass sich oft an die deutsche Grabgestaltung angepasst wird.

In Luckenwalde leben etwa 1.600 Ausländer. Besonders unter den Menschen mit Fluchterfahrung, das sind etwa fünf Prozent der Bevölkerung, sind viele mit muslimischem Glauben. Bislang wurden die meisten in Deutschland verstorbenen Muslime in ihren Heimatländern beigesetzt. Man geht aber davon aus, dass aufgrund der demografischen Entwicklung und fortschreitender Integration mit einer höheren Zahl muslimischer Bestattungen auch in Luckenwalde zu rechnen ist.

 




Seite drucken | Autor: Sonja Dirauf | zuletzt geändert am: 19.03.2019