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23.08.2019

Enkelin auf den Spuren ihres Großvaters

Angela Seymour besuchte gestern in Begleitung von Pfarrer Detlev Riemer a. D. und dem Luckenwalder Stadtverordneten Michael Wessel die Wirkungsstätte ihres Großvaters. Dr. Hermann Salomon, geboren am 4. September 1888 in Gotha, ließ sich 1919 als Arzt in Luckenwalde nieder. Er war SPD-Stadtverordneter, Stadtrat und von 1930 bis 1933 Erster Bürgermeister Luckenwaldes. Als Reizfigur der Nazis -auch wegen seines jüdischen Glaubens- wurde er im März 1933 gezwungen, sein Amt niederzulegen, nachdem er zuvor auch tätlichen Angriffen ausgesetzt war. Im Juni ´33 wurde er wie die meisten anderen Luckenwalder SPD-Funktionäre verhaftet und im KZ Oranienburg inhaftiert. Ihm gelang 1938 nach seiner Freilassung die Flucht aus Deutschland. Als Kolonialarzt praktizierte er an der Elfenbeinküste und in Sierra Leone, bevor er sich 1945 in Paris niederließ. Er kehrte nie wieder in das geteilte Deutschland zurück und starb 1970. Ein Sohn, der Vater von Frau Seymour, und eine Tochter wurden in England sesshaft, die Tochter Leni in der Schweiz. Sie hielt über Jahrzehnte Kontakt zu ihrer ehemaligen Mitschülerin in Luckenwalde, die als Kreisärztin Frau Dr. Wessel vielen Menschen in Erinnerung sein wird. 

Frau Seymour lebt in Australien und besucht Luckenwalde zum ersten Mal. Ziele der ganz persönlichen Besichtigungstour sind das Wohnhaus der Familie Salomon in der Bahnhofstraße 5, die ehemalige Synagoge, die Friedrich-Ebert-Grundschule, die Mendelsohnhalle und auch das Rathaus. Frau Seymour zeigte sich sehr angetan, wie sich die Stadt Luckenwalde sichtbar mit ihrer Geschichte auseinandersetzt und welche Erinnerungskultur sie dabei pflegt.

Seite drucken | Autor: Britta Jähner | zuletzt geändert am: 23.08.2019