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23.12.2019

Grußwort der Bürgermeisterin zum Jahreswechsel

Liebe Luckenwalderinnen, liebe Luckenwalder,

getreu dem Sprichwort ,,Schaue nur zurück, um zu sehen, wie weit du gekommen bist.“, möchte ich Ihnen darlegen, welche Fortschritte wir bei der Schaffung zusätzlicher Kitaplätze in 2019 erzielen konnten. Im März konnte der evangelische Kindergarten sein neues, maßgeschneidertes Haus beziehen, das nun für 90 Kinder (50 mehr als in der Dahmer Straße) hervorragende Bedingungen – drinnen und draußen – bietet. 

Das 20-jährige Jubiläum des Kita-Rundbau-Vereins im Juni war der passende Rahmen, um den Anbau zu übergeben, der dem Bewegungsdrang aller Kinder der Einrichtung neue Möglichkeiten bietet und zugleich auch 30 weitere Knirpse aufnehmen lässt.

 

In der Integrationskita Sunshine wird Barrierefreiheit groß geschrieben. Dieser Anspruch musste bei der Konzipierung des Erweiterungsbaus in der Hanglage besonders bedacht werden – mit Erfolg. Inzwischen hat der Rohbau bereits Konturen angenommen. Man muss nicht mehr allzu viel Phantasie bemühen, um sich vorzustellen, wie die neuen Gruppenräume im Gartengeschoss von den künftigen Krippenkindern in Beschlag genommen werden. 

Der Sportstadt Luckenwalde auch im Hinblick auf die Investitionen in ihre Sportstätten zu einem Rekord zu verhelfen, hat sich offenbar das Land Brandenburg auf die Fahne geschrieben. Denn gleich mehrere Vereine konnten sich über enorme Förderzusagen freuen, um Großes auf den Weg zu bringen. Stadtverordnete und Verwaltung waren sich einig, dass solche Gelegenheiten beim Schopf gefasst werden müssen. Sie beschlossen deshalb auch ein außergewöhnlich hohes finanzielles Engagement der Stadt. Denn die Vereine sind – trotz beeindruckender ehrenamtlicher Manpower – in aller Regel nicht in der Lage, den erforderlichen Eigenanteil aufzubringen.  

So schießt die Stadt für den Neubau des Tennisclub-Vereinshauses 70.000 € zu. Für die LLG ist die lang ersehnte Kunststofflaufbahn im Werner-Seelenbinder-Stadion in greifbare Nähe gerückt. Die Stadt übernimmt dafür die Kofinanzierung in Höhe von 400.000 €.

Die neue Ringermatte für den 1. LSC kostete 50.000 €. Das Land finanzierte 80 %. Verein und Stadt teilten sich die noch offenen 10.000 €.

Um den Bürgerhaushaltsfavoriten „Gerätelager für die Radballsportler“ Realität werden zu lassen, wendet die Stadt rund 100.000 € auf. Das neue Radballgerätelager wurde am 17. Dezember seinen Nutzern übergeben.

Trotz der gewaltigen Investitionen wurde dennoch die Sportstättenunterhaltung nicht vernachlässigt. Für 42.000 € beauftragte die Stadt die Erneuerung des abgespielten Kunststoffbelags in der Sport- und Freizeitanlage Dessauer Straße.

Am Zapfholzweg ist neben dem Biotechnologiepark eine neue Gewerbefläche entwickelt worden. Die Stadt hatte die Fläche erworben, sie von Altlasten und Bauruinen befreit, Baurecht geschaffen und kümmert sich jetzt um die innere Erschließung. Diese kostenintensiven Vorarbeiten tragen nun Früchte. Wir können anhand vermehrter Anfragen feststellen, dass Gewerbeflächen in Luckenwalde in der Wirtschaft von Interesse sind, für Unternehmenserweiterungen und Ausgründungen aus dem Biotechnologiepark, aber auch für Neuansiedlungen. Von knapp 20 ha sind 6 ha mittlerweile verkauft.

Mit der Flächenvermarktung ist die Stadt gut im Geschäft. (Die blau markierten Flächen sind bereits vergeben.)

Abweichend von dem eingangs zitierten Sprichwort gestatte ich mir aber auch den Rückblick, um mich über Erreichtes zu freuen.

Mit der feierlichen Eröffnung des neuen „alten“ Boulevards im August konnte die wichtigste Infrastrukturmaßnahme der Innenstadtentwicklung zum Abschluss gebracht werden.

Dass dabei so viele Luckenwalder mit von der Partie waren, kommt nicht von ungefähr. Denn bereits bei der Aufgabenbeschreibung zur baulichen Erneuerung ließen uns 960 Bewohner wissen, wie sie sich ihre Fußgängerzone wünschten. Mit großer Mehrheit kristallisierte sich im Ergebnis der Befragung in 2011 folgendes Anforderungsprofil heraus: Der Boulevard sollte familienfreundlich – ohne Autos – gestaltet werden. Er sollte für Kinder spannend, für Erwachsene erholsam sein mit guter Gastronomie im Freien. Ein Wasserspielplatz wäre wünschenswert, weil er Kinder anzöge und den Erwachsenen als Entspannung diene. Der Boulevard sollte zum Mittelpunkt des städtischen Lebens werden mit mehr Flächen für Veranstaltungen. Und die Zugänge zu den nur über Stufen erreichbaren Geschäften sollten barrierefrei werden. Ganz deutlich wurde auch, wie sehr die Luckenwalder an ihrem Boulevard in der Originalversion hängen, der in den 1980er Jahren unter großen Kraftanstrengungen als erste Fußgängerzone in einer Kleinstadt geschaffen worden war. Sein Mobiliar, seine Kunstwerke und Skulpturen waren ganz individuell für diesen Raum kreiert worden und sollten erhalten bleiben. Im Zuge der Sanierung mussten sämtliche – zum Teil über hundert Jahre alte Leitungen bis in eine Tiefe von 4,50 m – ausgetauscht werden. 

Zwei Drittel der vier Millionen € schweren Investition trugen Bund und Land und machten dadurch das Vorhaben erst möglich. Die gestalterischen Ansprüche mit den Erfordernissen des Tiefbaus in Einklang zu bringen, unter Wahrung der Belange des Denkmalschutzes und jederzeit die Erreichbarkeit aller Geschäfte und Wohnungen zu sichern, das war eine echte Herkulesaufgabe. In guter Zusammenarbeit von Planern, Baufirmen, Künstlern und städtischer Projektleitung konnten alle genannten Wünsche erfüllt worden. Jetzt sind die Luckenwalder und ihre Gäste an der Reihe, indem sie die gute Stube der Stadt mit ihren Besuchen beleben. Mit ihren Einkäufen können sie nun auch die Boulevardhändler dafür entschädigen, dass diese über vier Jahre baubedingten Lärm, Erschütterungen, Staub und Dreck und zeitweisen Kundenrückgang erduldet haben.

2019 stand im Zeichen von 100 Jahre Bauhaus und des 200. Geburtstags Theodor Fontanes. Die Sonderausstellung 100 Jahre Bauhaus... auch in Luckenwalde?! im HeimatMuseum gab Auskunft über das eigentliche Bauhaus in Weimar, Dessau und Berlin und seine Protagonisten. Im zweiten Teil beleuchtete sie die politische Situation in Luckenwalde in der Zeit von 1919 bis 1930 und die in dieser Zeit gelebte Baukultur der Moderne, wie sie sich am Stadtbad, der Volksheimsiedlung, dem Stadttheater und der Mendelsohnhalle darstellt. Im Juni konnten unter dem Motto „Bauhaus – Form und Farbe“ die Werke berühmter Bauhauskünstler wie Paul Klee, Lyonel Feininger und Wassily Kandinsky präsentiert werden.

Ganz anders näherte sich die „Bauhaus-Crew“ bestehend aus Schauspielern und Laien unter der Regie von Doris Ullrich dem Thema. Kein Ort passt besser als die Studiobühne im Stadttheater, um unter dem Titel „Hausgemachtes“ eine Collage aus Filmsequenzen, Spielszenen, Lesungen, Gesang und Tanz zu präsentieren – wegen des großen Publikumsinteresses in drei Aufführungen.  

Die Bibliothek im Bahnhof war hingegen der ideale Platz, um Theodor Fontane in den Mittelpunkt zu rücken. Zum einen kulinarisch, indem in einer moderierten Live-Koch-Show literarische Zwischengänge rund um den märkischen Dichter serviert wurden. Zum anderen (puppen)spielerisch, indem der alte Herr von Ribbeck im Marionettenspiel seine Geschichte erzählte – sehr zur Freude von Groß und Klein.

Luckenwalde kann sich glücklich schätzen, dass es neben den Institutionen auch noch zahlreiche Privatleute aufbieten kann, die viele Stunden ihrer Freizeit aufbringen (und oft sogar eigenes Geld mitbringen), um mit Jedermann-Veranstaltungen das kulturelle Leben zu bereichern.

So hat das von Jens Bunk schon zum vierten Mal organisierte White Dinner nun seine ideale Kulisse im Stadtpark gefunden.

Die ALHAMBRA-Vereinsmitglieder rackerten über drei Tage, um am BMX-Trail im Elsthal das weiträumige Gelände für das Mixed Music Arts Festival vorzubereiten – 125 Bauzaunfelder wurden gestellt, Stände, Bühnen und Tanzflächen aufgebaut und äußerst originell dekoriert, bevor Live-Bands von Basel bis Berlin ein breit gefächertes Spektrum an Musikrichtungen bedienten – zur Freude von Hunderten Besuchern.

120 Jahre Heinrichstift nahmen die Mitglieder des Heinrichstift-Vereins zum Anlass, um einen Tag der offenen Tür zu organisieren. Fast 1000 Besuchern wurden Führungen geboten oder sie ließen sich mit Leierkastenmusik, selbstgebackenem Kuchen und Flohmarktangeboten verwöhnen.  

Nicht mehr wegzudenken aus dem Luckenwalder Kulturkalender ist die Session am Music Shop. Schon zum zehnten Mal veranstaltete Bulli Unger mit Freunden und Familie das Umsonst-und-Draußen-Konzert im Nuthepark. Startete er 2009 mit drei Bands, so waren in diesem Jahr 17 Formationen auf zwei Bühnen zu sehen und zu hören und die Besucherzahl hat sich verdreifacht.

Auch beim dritten Kultur- und Streetfoodfestival waren Geflüchtete aus dem arabischen und afrikanischen Raum mit Freude dabei, Gerichte aus ihrer Heimat auf den Tisch zu bringen. Es hat sich herumgesprochen, dass diese unentgeltlich dargebotenen, exotischen Kostproben und auch Bewährtes aus deutschen Regionen – umrahmt von Live-Musik – einen Besuch wert sind. Der Nuthepark als Veranstaltungsort entpuppte sich als ideale Begegnungsmeile für weltoffene Flaneure und Schnabulierer.

Der Luckenkiener Karneval Klub erfreut am 11.11. ein immer größer werdendes Publikum, wenn die Jecken – stets erfolgreich – Rathausschlüssel und Stadtkasse einfordern. Mit viel Beifall werden die hochkarätigen tänzerischen Darbietungen der Vereinsküken, -spatzen und der Fünkchen bedacht, die sich ein ganzes Jahr im harten Training auf die 5. Jahreszeit vorbereiten. Zusätzlich richteten die unermüdlichen Vereinsmitglieder zum 60-jährigen Bestehen des LKK auch noch eine große Karnevalsgala aus.

Dass Luckenwalde mit der Jakobikirche um eine viel besuchte Veranstaltungsstätte reicher geworden ist, ist ein besonderer Verdienst ihres Fördervereins. Mit Phantasie, Überzeugungskraft und unerschöpflichem Tatendrang haben seine Mitglieder außerdem Sponsoren und Spender in allen Größenordnungen geworben, so dass alle Bleiglasfenster vor dem Verfall gerettet und behutsam erneuert werden konnte. Im 125. Jahr der Kirchweihe kann sogar die Vollendung des Luckenwalder Kirchenfensterwunders bestaunt werden: Die Restauratorin krönte die jahrelange Arbeit mit dem künstlerischen Meisterstück, indem sie ein neues Fenster mit der Kreuzigungsszene schuf und sich dabei in der Formen- und Farbensprache des historischen Bestands bewegte.

Eine Kulturstätte ganz anderer Art ging auch in diesem Jahr „ans Netz“. Die Rede ist vom alten Luckenwalder E-Werk, das 1913 gebaut worden war. Nachdem schon vor langer Zeit die Stromerzeugung eingestellt wurde, schien sein Schicksal als bloßes passives Industriedenkmal besiegelt. Doch hat es offenbar vor ca. drei Jahren ein paar letzte Funken geschlagen, die genügten, damit der Stuttgarter Performance-Künstler Pablo Wendel Feuer fing. Er erkannte sofort das Potenzial dieses ihn elektrisierenden Ortes, der für ihn und seine gemeinnützige Performance Electrics GmbH wie gemacht erschien und erwarb das E-Werk. Mit ihm haben elf weitere Künstler und Künstlerinnen von diesem Ort Besitz ergriffen. Im September wurde es als Zentrum für Kunststrom und zeitgenössische Kunst eröffnet. Dass es auch die Stadt Pablo Wendel angetan hat, ist seinen Worten zu entnehmen: „Kann eine Region sich neu erfinden ohne die Vergangenheit zu vergessen? Kann ein Ort an seine Historie anknüpfen, ohne eine dekorative Fassade zu werden? Kann Kunst in einer ländlichen Region Energie erzeugen? Ja, sie kann in LUCKENWALDE.“

Die Jahresbilanz 2019 möchte ich mit diesem energiegeladenen Zitat beenden, das für mich Ausdruck des Zutrauens in unsere Stadt, ihr Potential und ihre sich für das Gemeinwohl einsetzenden Menschen ist. Es wäre schön, wenn es von Ihnen geteilt werden kann und Sie daraus Zukunftszuversicht schöpfen können. In den turbulenten Zeiten, in denen wir leben, trägt es vielleicht zur inneren Stärkung bei, sich das dem Prälaten Oetinger zugeschriebene Gelassenheitsgebet zueigen zu machen:

Gott, gib mir die Gelassenheit, Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann,
den Mut, Dinge zu ändern, die ich ändern kann,
und die Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden.

Ich wünsche Ihnen, dass Sie Silvester 2020 auf ein Jahr zurückblicken können, das Ihnen große Zufriedenheit und viele Glücksmomente beschert hat.

Elisabeth Herzog-von der Heide
Bürgermeisterin

Seite drucken | Autor: Elisabeth Herzog-von der Heide | zuletzt geändert am: 23.12.2019