Grußwort der Bürgermeisterin zum Jahreswechsel

Liebe Luckenwalderinnen, liebe Luckenwalder,

die Corona-Pandemie ist nicht überwunden. Der verheerende Angriffskrieg Russlands auf die Ukraine hat Tausenden das Leben gekostet, Millionen Menschen obdachlos und zu Flüchtlingen gemacht. Der Energiemangel treibt auch bei uns die Kosten in die Höhe und eine Inflation voran. Ob die Erderwärmung noch in den Griff zu kriegen und das Weltklima zu retten ist, daran zweifeln nicht nur Experten.

Die ständige Beschallung mit negativen Meldungen und Geschichten bedrückt viele Menschen dermaßen, dass sie sich ausgeliefert und ohnmächtig fühlen. Sie reagieren, indem sie abschalten, weiterblättern, wegklicken. Der SPIEGEL-Redakteur Alexander Neubacher stellt selbstkritisch fest: „Es ist leider so, dass Journalistinnen und Journalisten kaum etwas so elektrisiert wie die Aussicht auf eine finstere Zukunft. Keine Redaktion zeigt auch nur das geringste Interesse, wenn Hunderttausende Verkehrsampeln mal wieder tadellos funktioniert haben. Aber wenn nur eine einzige Ampel ausfällt, wird´s für uns spannend. Ob wir mit dieser Haltung maßstabsgetreu die Wirklichkeit abbilden, darf freilich bezweifelt werden.“

Ein kleines Korrektiv könnte sein, öfters auch mal zu sagen, was gut ist.  Aus Luckenwalde kann man im Rückblick auf 2022 schon einiges dazu beisteuern.

Dank des enormen Engagements des Radteam Seidel e.V. wurden die Deutschen Rad-Cross-Meisterschaften 2022 nach Luckenwalde vergeben und dann im Januar mithilfe vieler Unterstützer perfekt organisiert. 500 Sportler und Sportlerinnen aus allen Bundesländern – darunter auch die Lokalmatadorin Clea Seidel – boten rund um die Fläminghalle auf einer eigens dafür präparierten Strecke sportliche Höchstleistungen dar. Zuschauer konnten die Rennen direkt an der Piste verfolgen. Dieses Angebot wurde rege genutzt und Freude war zu verspüren, dabei zu sein, wenn nach vielen Monaten der pandemiebedingten Lethargie endlich wieder an die Zeiten sportlicher Spitzenevents in Luckenwalde angeknüpft wurde.

Corona bleibt auch 2022 Thema. Das Impfzentrum in der Fläminghalle ging nach 13 Monaten außer Betrieb. Insgesamt wurden dort über 19.000 Coronaschutzimpfungen verabreicht. Wenn man sich in Erinnerung ruft, wie rar und begehrt Anfang des Jahres 2021 im ganzen Land Impfstoff und -termine waren, dann hat Luckenwalde als 10. Brandenburger Impfzentrum seit Februar 2021 seinen Teil zur Entspannung und zum Schutz vieler Menschen geleistet, insbesondere auch für Luckenwalder, die sich in ihrer Stadt auf kurzem Weg versorgen lassen konnten. Ich verkenne nicht, dass die Halle über ein Jahr lang weder für Vereinssport noch für Wettkämpfe zur Verfügung stand. Dieser Nachteil wurde in einen Vorteil gewandelt, indem alles, was in der Halle durch Vermietung verdient worden war, auch der Halle zugutekam: Mit 300.000 EUR konnte endlich der schadhafte und verschlissene Hallenbelag aus Parkett gegen einen modernen Sportboden ausgetauscht werden, auf dem sich nun auch die Zuschauertraversen ordentlich bewegen lassen.

Die Pandemie hat unser Leben auf den Kopf gestellt und die Menschen in die Isolation gedrängt. Umso wichtiger ist es dann, den gesellschaftlichen Zusammenhalt im Auge zu behalten und zu stärken. Das ist gelungen, z.B. durch den Ausbau attraktiver Kommunikationsmöglichkeiten zwischen Verwaltung und Bürgerschaft: Stichworte sind neben der gut gepflegten Homepage der Stadt, nun auch über Facebook und Instagram zu senden und zu empfangen.

Zum Zusammenhalt trägt aber auch bei, persönliche Begegnungen zu ermöglichen. Erst im Februar konnte der kühne Entschluss gefasst werden, in diesem Jahr endlich wieder das Turmfest zu feiern. Viele Besucher, ein Kartenverkaufsrekord, abwechslungsreiche Programme, die heitere Stimmung, die für ein Volksfest dieser Größenordnung erstaunliche Friedfertigkeit und viele positive Rückäußerungen machen deutlich, dass die Organisatoren im Rathaus und ihre aktiven Unterstützer den Nerv des Publikums getroffen und ganze Arbeit geleistet haben. Eine Besucherumfrage während und nach dem Fest bestätigte die große Zufriedenheit der Luckenwalder mit ihrem Volksfest. Auch wenn dieses Mal das Riesenrad nicht mehr rechtzeitig herbeiorganisiert werden konnte, so würden dennoch 96 (!) % der Befragten den Besuch des Turmfestes weiterempfehlen.

Unsere Volksbühne hat sich in kurzer Zeit als die Open-Air-Veranstaltungsstätte im Zentrum der Stadt etabliert, die bei freiem Eintritt mit buntem Programm zum Besuch der Innenstadt einlädt. Die diesjährige Bandbreite reichte vom Matthias-Wacker-Konzert, über Tanzschulauftritte, Kostproben talentierter Musikschulbands, der Inszenierung „Shakespeares sämtliche Werke – leicht gekürzt auf 90 Minuten“, Jazzimprovisationen bis hin zu Darbietungen des Karnevalvereins. Auch auf dem diesjährigen Luckenwalder Märchenweihnachtsmarkt vom 9. bis 11. Dezember bildete die Volksbühne das Zentrum des Kulturgeschehens.

Im Mai erwies sich unser Ortsteil Frankenfelde bei der Verleihung der Sonderpreise des Kreiswettbewerbs „Unser Dorf hat Zukunft“ als Abräumer. Gleich in zwei Kategorien, nämlich „Hervorragendes bürgerschaftliches Engagement“ und „Beispielhafte Erhaltung historischer Bausubstanz“ gehört Frankenfelde zu den Ausgezeichneten. Diese Ehrungen rufen ins Bewusstsein, wie vielfältig die vom Ehrenamt und der Gemeinschaft getragenen imponierenden Aktivitäten im Dorf sind. Der Ausbau des Gemeindehauses als deren Basisquartier war eine gute Entscheidung, die sichtbare Früchte trägt.

Am 24. Februar begann der kriegerische Überfall der russischen Armee auf die Ukraine. In Folge des Krieges sind mittlerweile 236 Menschen aus der Ukraine in Luckenwalde gemeldet, die hier Schutz suchen. Lange Zeit gab es keine leistungsfähigen Hilfsstrukturen, obwohl die Hilfsbereitschaft der Luckenwalderinnen und Luckenwalder enorm war und ist. Mit Organisationstalent gesegnete Rathausmitarbeiter haben hier schnell und wirkungsvoll logistische Abhilfe geschaffen. Angefangen von Sachspendensammlungen zum Transport in die Ukraine und nach Polen über die Ausrichtung eines ukrainischen Begegnungscafés in der Bibliothek bis hin zu Haushaltswaren- und Möbelbasaren auf dem Gewerbehof konnte wirkungsvolle Hilfe geleistet werden. Darüber hinaus imponiert es besonders, wie viele Luckenwalder Bürger Geflüchtete unter ihre Fittiche genommen haben, um ihnen ein Ankommen, Zurechtfinden und Zuhause Schaffen zu ermöglichen.

Im April wurde der neu gebaute Hort auf dem Schulcampus Ludwig-Jahn-Straße von den Grundschulkindern als ihre Einrichtung erobert. Er bietet ihnen jede Möglichkeit der Entfaltung ihrer sportlichen und musischen Talente, des spielerischen Lernens und der Hausaufgabenerledigung in anregender Umgebung. Dass sie sich selbst bei der Namensgebung der neuen Einrichtung auf „Glückskinder“ einigten, spiegelt wider, wie sehr sie das neue Umfeld zu schätzen wissen und sich darin wohl fühlen.

Durch Holzmassivbauweise ist die Stadt dem Anspruch an nachhaltiges und klimaschonendes Bauen gerecht geworden. Wie wichtig es der Stadtverordnetenversammlung und der Verwaltung ist, für eine gute Bildungslandschaft zu sorgen, wird darin deutlich, dass die 6,5 Millionen EUR Baukosten ohne Förderung nur durch einen Kredit finanziert werden konnten, der kommende Haushalte für lange Zeit belasten und den Handlungsspielraum einengen wird. 

Den Nachhaltigkeitszielen dient es auch, wenn Autoverkehr zugunsten von Rad- und Fußgängerverkehr und der Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel gemindert wird. Deshalb hat Luckenwalde in sein Bahnhofsumfeld investiert, um Zugfahren auf Basis einer nur 40minütigen Reisezeit zum Berliner Hauptbahnhof noch attraktiver zu machen. Die Kapazität der KFZ-Pendlerparkplätze wurde mit dem Gaswerksparkplatz auf 270 erhöht und als dritte Ausbaustufe im Juni um weitere 32 Parkplätze an der Käthe-Kollwitz-Straße ergänzt. Zusätzlich gewährleisten Fahrradabstellboxen eine sichere Aufbewahrung. Gemeinsam mit der Gemeinde Nuthe-Urstromtal und mithilfe respektabler Förderungen wurde im Verlauf des Jahres der lang ersehnte Radweg entlang der L 73 gebaut. Er komplettiert das Netz, das allen acht Nachbardörfern eine sichere Streckenführung nach Luckenwalde und seinem recht zentral gelegenen Bahnhof anbietet.

Zunächst hat es vielleicht den Anschein, dass die Festveranstaltungen „200 Jahre Friedhof Vor dem Jüterboger Tor“ und „100 Jahre Waldfriedhof“ eher Trauertermine sind, passend zu trüber Stimmung des Krisenjahres. Wer sie aber besucht hat, der war vielleicht überrascht, was er denn so auf die Ohren bekam, nämlich mitreißende Gospels und Harfenklänge als musikalische Umrahmung. Die Vorträge zu den Entstehungsgeschichten, den Veränderungen, den Machern, insbesondere zum Werdegang Richard Neutras offenbarten spannende Kapitel der ganz individuellen Stadtgeschichte und ihrer Menschen.

Ganz und gar der Gegenwart und Zukunft zugewandt ist die von der TH Wildau und der FH Potsdam „bespielte“ Hochschulpräsenzstelle auf dem Gewerbehof. Wer hätte gedacht, dass Luckenwalde auch das Zeug zu einem Hot Spot in Sachen Wissenschaft haben könnte? Es ist schon längst kein Geheimtipp mehr, dass sich im dortigen Coworking Space und einem technisch bestens ausgestatteten Maker Space hervorragend arbeiten und austauschen lässt und entwickelte Ideen gleich vor Ort in einen Prototyp umgesetzt werden können. Allein in den letzten acht Monaten fanden 430 Coworking-Besuche statt und knapp 900 Menschen nahmen dort an Workshops oder anderen Veranstaltungen teil. Dass Wissenschaft auch sehr unterhaltsam sein kann, das bewiesen brandenburgische Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler beim 1. Science Slam, der in allen Hochschulpräsenzstellen des Landes ausgetragen wurde. Aufgabe ist es, in 10-minütigen Kurzpräsentationen auf unterhaltsame und verständliche Weise ihre Forschungsprojekte vorzutragen. Dabei wählt das Publikum den besten Slam. In Luckenwalde ließen sich 120 Besucher dieses Ereignis nicht entgehen. Halten Sie Ausschau nach der 2. Auflage des Formats in 2023. Es lohnt sich!

Zum Thema Baukultur wird Luckenwalde demnächst ein weiteres Anschauungsobjekt beisteuern können. Es geht dabei um gute Architektur, um Stadtgestaltung, um ressourcenschonendes Bauen durch Nutzung vorhandener Bausubstanz, um die Gewinnung erneuerbarer Energie durch Erdwärmepumpe und Photovoltaik. All das vereint die Akademie für Gesundheitsberufe auf sich. Sie geht baulich aus der ehemaligen – nun denkmalgerecht sanierten – Steinschule hervor und wird um einen modernen Anbau ergänzt. Sie ist aber kein Selbstzweck, sondern stellt die Auszubildenden von Pflegeberufen in den Mittelpunkt und will sie mit attraktiven und zeitgemäßen Lehr- und Lernräumen fördern. Damit ist auch die Erwartung verbunden, dass die Bindung an Luckenwalde und seine Pflegeeinrichtungen, allen voran das Krankenhaus, auch nach dem Examen bleibt und so zur Fachkräftesicherung beiträgt. 

Meine sehr geehrten Damen und Herren, vielleicht erkennen Sie in meiner Aufzählung des Guten ja auch Ansätze für einen konstruktiven Umgang mit den eingangs genannten Krisen, denen wir uns tatsächlich ja nicht entziehen können. Es kommt dabei darauf an, sich von der Sorgenlast nicht erdrücken zu lassen.

Beherzigen Sie den Rat Abraham Lincolns: „Halte Dir jeden Tag 30 Minuten für Deine Sorgen frei und mache in dieser Zeit ein Nickerchen.“

Herzliche Grüße und meine guten Wünsche auf frohe Weihnachten und in einem hoffentlich friedlich werdenden neuen Jahr Gesundheit, Glück und Erfolg.

Ihre Bürgermeisterin

Elisabeth Herzog-von der Heide

Seite drucken | Autor: Elisabeth Herzog-von der Heide | zuletzt geändert am: 02.01.2023