Stand-, Wand- und Bodentafeln

Gedenktafel anlässlich der Bücherverbrennung auf dem Marktplatz

Die Gedenktafel befindet sich in der Herstellung und wird im Frühjahr 2026 eingeweiht.

Brennende Bücher auf dem Luckenwalder Marktplatz und auf dem Berliner Opernplatz

(Verfasserin: Elisabeth Herzog-von der Heide)

1. Luckenwalde

Am 7. April 1933, an einem Freitag, wurden in Luckenwalde Bücher verbrannt. Um eine Erklärung zu finden, wie es dazu kommen konnte, muss man sich mit der Geschichte der Stadt, aber auch mit der des damaligen Deutschlands beschäftigen.

In der Weimarer Republik fanden drei Wahlen zur Stadtverordnetenversammlung statt, nämlich 1919, 1924 und 1929. Jedes Mal errang in dieser Stadt die SPD die absolute Mehrheit. Das ist einer der Gründe für die Bezeichnung: das rote Luckenwalde. 

Am 30. Januar 1933 ernannte der Reichspräsident Paul von Hindenburg Adolf Hitler zum Reichskanzler.

Das Kalkül der Nationalsozialisten war es, bei den Reichstagswahlen am 5. März 1933 über 50 % zu kommen und damit die Gesetzgebung bestimmen zu können. Trotz deutlicher Stimmenzugewinne schafften sie diese Zielvorgabe nicht.

Im Landkreis Jüterbog-Luckenwalde erhielt die NSDAP 48,12 % der Stimmen und die SPD 26,31 %. Ähnlich sah das Gesamtergebnis in Deutschland aus.

Doch Luckenwalde lag nicht in diesem Trend. Bei einer Rekordwahlbeteiligung von 94,7 % erhielt die SPD 41,8 %, die KPD 15,3% und die NSDAP 30,6 %. Das linke Lager bekam also knapp doppelt so viele Stimmen wie die Nationalsozialisten. Die rote Hochburg Luckenwalde behauptete sich noch einmal in einem braun gewordenen Land. Sie war den nationalsozialistischen Machthabern schon lange ein Dorn im Auge und es war ihnen ein Anliegen, die rote Burg zu schleifen.

Wie brutal und wie brachial sie dabei vorgingen, war dennoch für viele überraschend.

Besondere Reizfigur der Nazis war der Erste Bürgermeister Dr. Salomon, ein Jude. Drangsaliert und attackiert willigte er am 22. März 1933 in ein erzwungenes Entlassungsgesuch ein, was seinen Leidensweg aber nicht beendete.

Zwei Tage später veranlasste der Magistrat die Umbenennung der Friedrich-Ebert-Schule in Hindenburgschule. Mit ihren reformpädagogischen Ansätzen war sie ein Aushängeschild des roten Luckenwalde.

Am Tag zuvor in Berlin beschloss der Reichstag mit 444 Ja-Stimmen und 94 Nein-Stimmen, die gesamte gesetzgeberische Gewalt auf Adolf Hitler zu übertragen. Die Nein-Stimmen stammten von den 94 SPD-Abgeordneten, die es trotz massiven Drucks und drohender Gewalt durch die aufmarschierte Sturmabteilung (SA) zur Abstimmung schafften. Eigentlich hätte die SPD-Fraktion noch 26 weitere Stimmen haben sollen. Doch ein Teil ihrer Mitglieder war bereits verhaftet oder geflohen. Noch härter traf es die KPD: Die gesamte Fraktion – 81 Abgeordnete – waren verhaftet worden oder untergetaucht.

Noch am selben Abend besetzte die Luckenwalder SA in dieser Stadt das Jugendheim des Allgemeinen Deutschen Gewerkschaftsbundes und hisste die Hakenkreuzfahne.

Dieses Haus wird heute als Jugendzentrum Go7 und Ringerwohnheim genutzt. Es war 1928 für 140.000 Reichsmark gebaut und eingerichtet worden. Eigentlich war ein Volkshaus für alle Arbeiterorganisationen vorgesehen worden. Doch das war nicht finanzierbar. So entstand im ersten Schritt ein Jugendheim mit Arbeiterbibliothek.

Johann Bauer, einer der Wegbereiter für dieses Haus, beschrieb es wie folgt: „Junge Arbeiterinnen und Arbeiter, die des Tages über in der Werkstatt schaffen müssen, finden gewöhnlich auch in der Wohnung ihrer armen Eltern kein Heim, sitzen doch in solchen Wohnungen meistens viele Personen, Erwachsene, Jugendliche und Kinder, in einem Raum eng beieinander. Vielfach fehlt in diesen engen Wohnungen Licht, Luft und etwas Freundlichkeit. Bei uns kann sich die Jugend nach des Tages Arbeit in hellen luftigen Räumen wohlfühlen. Da können die Jugendlichen an dem Ausbau ihrer Jugendorganisationen arbeiten, Vorträge hören, Lieder singen, tanzen und fröhlich sein. Bei uns gibt es keinen Alkoholausschank.“  

Im 1. Obergeschoss des Hauses wurden eine Arbeiterbibliothek geschaffen. Sie umfasste anfangs 4.000 Bände, zusammengetragen aus Beständen des Konsumvereins, der Gewerkschaften und der SPD. Die Ausleihe erfolgte an zwei Abenden der Woche gegen eine Jahresgebühr von 1 RM. In einem gedruckten Katalog waren auf 46 Seiten alle Bücher aufgeführt. Später kamen weitere durch Schenkungen und Erwerb hinzu. Am häufigsten wurden Remarques „Im Westen nichts Neues“ und Ludwig Renns „Nachkrieg“ entliehen.

Wenn man in dem Katalog blättert, dann kann man feststellen, dass sich die Arbeiterbibliothek ihrem Motto „Wissen ist Macht“ verpflichtet fühlte. Es waren neben der Belletristik und der Jugendliteratur auch jede Menge Sachbücher im Bestand, die Autodidakten unterstützt, sich in Naturwissenschaften zu bilden, in Geschichte, in Erdkunde, in Kunst, in Technik  und im Handwerk. Ratgeber für Gesundheitspflege standen zur Verfügung. Arbeitsrecht war ein großes Thema wie auch Volkswirtschaft, Gesellschaftswissen, Sozialismus, Marxismus. Unter den politischen Titeln dominierten Bücher von Kautsky, Bebel, Bernstein und Marx.  

Das Jugendheim mit seiner Arbeiterbibliothek, übrigens einer der größten des Landes, war eine Errungenschaft des sozialdemokratisch regierten Luckenwalde, in dem Bildung einen hohen Stellenwert einnahm. Bereits seine der Moderne zuzurechnende Architektur – das erste Flachdach in dieser Stadt – sollte ein Symbol der neuen Zeit sein. Dieses Haus zu besetzen, war eine gezielte Machtdemonstration der Nationalsozialisten um klar zu machen, wer von nun an das Sagen hat.

Eine weitere Machtdemonstration schließt sich zwei Wochen später an, nachzulesen in der Luckenwalder Zeitung vom 8. April 1933:

„Eine Werbeaktion veranstaltete am gestrigen Abend in unserer Stadt die Hitler-Jugend. Nach 7 Uhr marschierte sie unter Vorantritt der Musikkapelle der Standarte 206 vom Jugendheim in der Lindenallee nach dem Marktplatz. Dort hatte sich bereits eine zahlreiche Menschenmenge eingefunden, um der Verbrennung der Schundschriften aus dem Jugendheim beizuwohnen. Auf vier Tragen brachte die Jugend die Schundliteratur herbei, die den Flammen übergeben wurde. Nach Absingung des Horst-Wessel-Liedes erfolgte der Weitermarsch durch die Breitestraße nach dem Tivoli...“.

Auch das nationalsozialistisch ausgerichtete „Tageblatt“ beschreibt in seiner Ausgabe vom 9.4.1933 das Ereignis:

„Pünktlich formiert sich der Zug der Hitler-Jugend, vom Jungvolk flankiert. In ihrer Mitte trugen sie auf vier großen Barren all den Schund und Schmutz, mit dem 14 Jahre lang das Volk und die Jugend verseucht und verhetzt wurde. An die Hitler-Jugend schloss sich der Bund deutscher Mädel und die Jungmädelgruppe an. Darauf folgten Abordnungen der SA, der SA-Reserve, des Motorsturms und der SS. So marschierte die Hitler-Jugend zum Marktplatz, begleitet von einer riesigen Menschenmenge. Auf dem Marktplatz bilden die Teilnehmer ein großes Viereck. Der ganze Mist wurde dann in die Mitte desselben geschüttet und ohne lange Vorrede in Brand gesetzt. Die deutsche Jugend lässt sich eben nur von Deutschen, nicht aber von Juden führen. Und wenn die alte Generation nicht gründlich aufräumte, so erledigt das die Hitler-Jugend, ohne viel zu reden.“

Das sind die beiden Quellen, die das konkrete Ereignis der Luckenwalder Bücherverbrennung behandeln. Bis heute sind keine Fotos aufgetaucht. Es gibt auch keine genaue Aufstellung der geplünderten Bücher, die auf den vier Barren zum Marktplatz getragen worden sind. Sicher ist, dass es nicht der gesamte Bibliotheksbestand gewesen sein kann. Aber es spricht einiges dafür, dass die Werke des von den Nazis gehassten Remarques darunter waren und die Titel, die ihnen sozialistisch oder jüdisch vorkamen.

Detlev Riemer, der 2008 das Luckenwalde-Kapitel in dem Buch „Orte der Bücherverbrennungen in Deutschland 1933“ verfasst hat, schreibt: „Kein Einziger aus der an jenem Tag versammelten „riesigen Menschenmenge“ hat sich bislang gefunden, der über die Bücherverbrennung am 7. April 1933 in Luckenwalde aus eigener Erinnerung berichtet hätte.“

Um das Klima der Angst und des Staatsterrors in Luckenwalde zu beschreiben, muss ein weiteres Ereignis angeführt werden. An dem Wochenende der Bücherverbrennung versammelte sich ein Riesenaufgebot an 1.200 SA-Männern und Vertretern der Hitler-Jugend zu einem Standartentreffen in Luckenwalde. Sie beherrschten das Straßenbild. Am Sonntag, den 9. April verfolgten und verprügelten SA-Männer den Kommunisten Ernst Kloß und brachten ihm auf offener Straße tödliche Schussverletzungen bei. Obwohl Polizisten Zeugen dieses Verbrechens waren, wurden die Täter nicht ermittelt und die Untersuchungen nach nicht einmal drei Wochen eingestellt.

2. Berlin

Die Bücherverbrennung am 10. Mai 1933 auf dem Berliner Opernplatz in Nähe der Universität, hatte eine andere Vorgeschichte. Die Quellenlage ist im Vergleich zu Luckenwalde hervorragend. Die damalige Rundfunkübertragung, der Wochenschaubericht lassen sich bis heute aufrufen und es gibt zahlreiche Fotografien und Berichte.

Die größten Bücherverbrennungsaktionen des Frühjahrs 1933 gingen von der Deutschen Studentenschaft aus. Sie waren Teil einer reichsweiten, zentral organisierten "Aktion wider den undeutschen Geist". Der Ablaufplan der Aktion sah drei Phasen vor, die an allen Universitäten im gesamten Reich synchron durchgeführt werden sollten.

  1. Den Auftakt bildete das Anschlagen eines Plakats "Wider den undeutschen Geist" mit zwölf Thesen in den Hochschulgebäuden. (These 5: „Der Jude kann nur jüdisch denken. Schreibt er deutsch, dann lügt er. Der Deutsche, der deutsch schreibt, aber undeutsch denkt, ist ein Verräter. Der Student, der undeutsch spricht und schreibt, ist außerdem gedankenlos und wird seiner Aufgabe untreu.“).
  2. Ende April setzte die Sammelaktion der zu verbrennenden Bücher ein, wofür den Einzelstudentenschaften "Schwarze Listen" zur Verfügung gestellt wurden.
  3. Als Höhepunkt sollten am 10. Mai im Rahmen eines Festakts die eingesammelten Schriften öffentlich verbrannt werden – an jedem Hochschulort.

Der Ersteller der Schwarzen Listen war ein Dr. Wolfgang Herrmann, geboren 1904. Als Bibliothekar der städtischen Volksbibliothek in Breslau hielt er Vorträge über Bücherpolitik im nationalsozialistischen Sinn und beklagte die „liberal und kommunistisch verseuchte Bibliothek“. 1933 wurde er Leiter der Zentralstelle für das Deutsche Bibliothekswesen in Berlin.

Anfang 1933 stellte er der Deutschen Studentenschaft seine „Liste des schädlichen und unerwünschten Schrifttums“ zur Verfügung, die er ursprünglich aus eigenem Antrieb zur Anwendung in den Volksbüchereien erstellt hatte. „Die vorliegende Liste nennt alle Bücher und Autoren, die bei der Säuberung der Volksbüchereien entfernt werden sollen“.   

Seine Schwarze Liste wies in der Kategorie „Schöne Literatur“ 94 deutschsprachige und 37 fremdsprachige Autoren aus, u. a.:

–     Maxim Gorki, Ernest Hemingway, Joachim Ringelnatz, Anna Seghers, und die bereits 1914 verstorbene Nobelpreisträgerin Bertha von Suttner.

Zu der öffentlichen Bücherverbrennung am 10. Mai kamen in Berlin 70.000 Akteure und Zuschauer zusammen. Propagandaminister Goebbels stellte sich am brennenden Scheiterhaufen vor die Mikrofone und Kameras.

In der weiteren Inszenierung benannten neun Rufer mit sogenannten Feuersprüchen einige der nunmehr verfemten Autoren und ihre „Verfehlungen wider den undeutschen Geist“:

  • 1. Rufer: Gegen Klassenkampf und Materialismus, für Volksgemeinschaft und idealistische Lebenshaltung! Ich übergebe den Flammen die Schriften von Marx und Kautsky.
  • 2. Rufer: Gegen Dekadenz und moralischen Verfall! Für Zucht und Sitte in Familie und Staat! Ich übergebe der Flamme die Schriften von Heinrich Mann, Ernst Glaeser und Erich Kästner.
  • 4. Rufer: Gegen seelenzerfasernde Überschätzung des Trieblebens. Für den Adel der menschlichen Seele! Ich übergebe der Flamme die Schriften des Sigmund Freud.
  • 7. Rufer: Gegen literarischen Verrat am Soldaten des Weltkriegs, für Erziehung des Volkes im Geist der Wehrhaftigkeit!
    Ich übergebe der Flamme die Schriften von Erich Maria Remarque.
  • 9. Rufer: Gegen Frechheit und Anmaßung, für Achtung und Ehrfurcht vor dem unsterblichen deutschen Volksgeist!
    Verschlinge, Flamme, auch die Schriften von Tucholsky und Ossietzky!“

Ein Augenzeuge dieser Ereignisse ist der 21jährige jüdische Jura-Student Hans Wittenberg. Später erzählte er seinen Kindern von den Flammen, die in der Nacht des 10. Mai 1933 die Fassade der Universität erleuchteten. Er beschrieb die johlende Menge auf dem Platz, die Studenten in braunen Uniformen, die auf den Lastwagen standen und die „undeutschen Bücher“ aus der Universitätsbibliothek stapelweise ins Feuer warfen. Hans erzählte, es habe in dieser Nacht stark geregnet und die Bücher hätten nicht brennen wollen, weshalb die Feuerwehr mit Benzinkanistern helfen musste, um Marx und Heine und Kästner und all die anderen zu vernichten. Um die riesige Feuerstelle standen Professoren in schwarzen Talaren, die mit erhitzten Gesichtern und glänzenden Augen den brennenden Papierfetzen nachblickten. „Ich habe es nicht gleich verstanden, aber gefühlt habe ich es schon, dass unsere Zeit in Berlin dem Ende zugeht“, sagt Hans. „So viel Hass war da, so viel Wut, so viel Freude an der Vernichtung, das konnte nicht ohne Folgen bleiben.“

Nach der Bücherverbrennung beeilten sich die einschlägigen Fachverbände, der „Börsenverein des deutschen Buchhandels“ und der „Reichsverband der deutschen Leihbüchereien“ – teilweise sogar in vorauseilendem Gehorsam – durch entsprechende Anordnungen bzw. Empfehlungen die „Ausmerzung undeutscher Literatur“ systematisch fortzusetzen, die „Säuberung“ von Bibliotheken und Verlagsprogrammen wurde landesweit fortgesetzt.

Die von Herrmann erstellten „Schwarzen Listen“ wurden fortlaufend ergänzt und erweitert, ein Jahr später umfassten sie mehr als 3.000 Titel verbotener Bücher und Schriften. Auf der Liste des schädlichen und unerwünschten Schrifttums, die ab 1935 regelmäßig herausgegeben wurde, fanden sich schließlich 12.400 Titel.

Für Schriftsteller, die ins Konzept der Nationalsozialisten passten, bedeutete das Verbot ihrer Kollegen die Übernahme der „frei geräumten“ Plätze. Kurt Tucholsky kommentierte das 1933 wie folgt: „Da kommen sie nun aus allen Löchern gekrochen, die kleinen Provinznutten der Literatur nun endlich, endlich ist die jüdische Konkurrenz weg – jetzt aber! […] Lebensgeschichten der neuen Heroen. Und dann: Alpenrausch und Edelweiß. Mattengrün und Ackerfurche. Schollenkranz und Maienblut – also Sie machen sich keinen Begriff, Niveau null.“

Durch das Schreib- und Publikationsverbot verloren die Autoren und Schriftstellerinnen ihre Existenzgrundlage und manche auch noch mehr. Viele blieben vergessen.

  • Ins Exil entkamen Heinrich Mann, Alfred Döblin und Anna Seghers
  • In die innere Emigration ging Erich Kästner
  • Zwangsausgebürgert wurden Kurt Tucholsky und Alfred Kerr
  • Selbstmord im Exil begingen Walter Benjamin, Ernst Toller
  • Verfolgt und ermordet wurden Erich Mühsam und Gertrud Kolmar

Der Dichter Heinrich Heine schrieb in einer 1823 veröffentlichten Tragödie den prophetischen Satz: „Dies war ein Vorspiel nur, dort, wo man Bücher verbrennt, verbrennt man auch am Ende Menschen“.  Er behielt Recht: 110 Jahre später war die NS-Bücherverbrennung nur das Vorspiel zum Mord an Europas Juden.

Weitere Informationen zur Bücherverbrennung am 7. April 1933 in Luckenwalde finden Sie auf der Seite Gedenktage/Bücherverbrennung.

Gedenktafel für die „Gemeinschaft für Frieden und Aufbau“

Tafeltext: „1943 und 1944 kreuzten sich am Luckenwalder Bahnhof die Wege vieler Beteiligter der Widerstandsgruppe „Gemeinschaft für Frieden und Aufbau“. Untergetauchte Juden kamen hier an, und tausende Flugblätter wurden von hier aus in andere Städte gebracht.
Hans und Frida Winkler, Werner Scharff, Fancia Grün, Fritz Arndt, Georg Brachmüller, Hilde Bromberg, Anja, Julius und Eugen Friede, Ilse und Gerhard Grün, Lucie und Paul Hitze, Gertrud und Arthur Joachim, Paul Kräge, Henry Landes, Günter Naumann, Paul Rißmann, Paul und Ida Rosin, Michael Schedlbauer, Alfred Stein, Paul Thiele.“

Die „Gemeinschaft für Frieden und Aufbau“ war eine Luckenwalder Widerstandsgruppe gegen das NS-Regime. In ihr waren Menschen verschiedener Weltanschauungen mit dem Ziel vereint, ihre Mitbürger zum Widerstand gegen Krieg und nationalsozialistische Gewalt zu ermutigen. Die Gruppe verbreitete in Luckenwalde und Berlin Flugblätter, versteckte jüdische Flüchtlinge und stellte Spitzeln Femeurteile zu. Ende 1944 wurden fast alle Mitglieder verhaftet. Die meisten überlebten das Kriegsende im Gefängnis. 

Die Tafel befindet sich vor dem Eingang der Stadtbibliothek, dem ehemaligen Bahnhof, auf dem Bahnhofsvorplatz. Am 4. März 2004 wurde sie in Anwesenheit von Zeitzeugen enthüllt:  Einweihung der Gedenktafel für die Luckenwalder Widerstandsgruppe »Gemeinschaft für Frieden und Aufbau“

Hans und Frida Winkler wurden vom Staat Israel 2008 posthum als "Gerechte unter den Völkern" geehrt: Ehrung für Hans und Frida Winkler (posthum)

Gedenktafel für die Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft

Tafeltext: "Den Opfern von Krieg und Gewaltherrschaft zum ehrenden Gedenken. Die Bürger der Stadt Luckenwalde"

Die alljährliche Gedenkveranstaltung am Holocaustgedenktag, 27. Januar, in Luckenwalde findet im Rathausfoyer unter dieser Inschrift statt (einstimmiger Beschluss des Hauptausschusses vom 7. Dezember 2010). In den Jahren 2022 und 2023 fand die Gedenkveranstaltung aufgrund des Rathausumbaus rund um die Gedenkplatte für die Mitglieder der Widerstandsgruppe „Gemeinschaft für Frieden und Aufbau“ vor der Bibliothek im Bahnof statt.


Gedenktafel Jüdische Gemeinde

Tafeltext: "1753 durften sich auf Grund eines königlichen Schutzbriefes zwei Juden - Salomon Hirschel und Abraham Moses - mit ihren Familien dauerhaft in Luckenwalde niederlassen. Bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts lebten in der Stadt vier oder fünf jüdische Familien. Das Hardenbergsche Edikt von 1812 verbesserte die rechtliche Stellung der Juden in Preußen; die volle bürgerliche Gleichberechtigung blieb ihnen aber weiterhin vorenthalten.
Am 2. September 1869 gründeten die Luckenwalder Juden ihre Synagogen-Gemeinde und erbauten 1897 ihre Synagoge. Das Grundstück hatte der Hutfabrikbesitzer Moritz Herrmann der Gemeinde überlassen. Die Einweihung des Gotteshauses wurde am 4. Oktober 1897 unter großer Beteiligung der Öffentlichkeit gefeiert.

Bei der Entwicklung Luckenwaldes zur Industriestadt seit Mitte des 19. Jahrhunderts spielten jüdische Unternehmer und Kaufleute eine bedeutende Rolle. Nathan Marcus, Georg Pariser, Carl Goldschmidt und Gustav Bauchwitz machten sich als Stadträte um die Stadt verdient, der Arzt Dr. Hermann Salomon war von 1930 bis 1933 Erster Bürgermeister.*
1918 gehörten der Synagogen-Gemeinde 44 beitragspflichte Mitglieder an, darunter 12 Fabrikbesitzer, 19 Kaufleute, 5 Ärzte und 3 Gutsbesitzer. Zusammen mit den Familienangehörigen umfasste die Gemeinde ca. 120 Personen. Die Gemeinde war deutlich in soziale Schichten geteilt: Sie bestand aus wohlhabenden Fabrikanten und Angehörigen des Mittelstands; im Ersten Weltkrieg kamen Textilarbeiter aus dem Osten dazu. Es war eine der Welt zugewandte, moderne Gemeinde.

Anfang 1933 begann unter dem Nationalsozialismus auch in Luckenwalde die Entrechtung, Ausgrenzung und Verfolgung der Juden. Die Presse hetzte gegen sie, SA und HJ verbrannten auf dem Marktplatz Bücher. Die örtlichen Naziführer nötigten die Bevölkerung zum Boykott jüdischer Geschäftsleute und zwangen Bürgermeister Salomon zum Amtsverzicht. Rudolf S. Mosse und Leo Schneider wurden in Berlin ermordet. Bereits bis zum Beginn des Krieges waren die meisten Luckenwalder Juden vertrieben.
Sie emigrierten u. a. nach Palästina, England, Frankreich, in die USA oder auch Südamerika. Während des Novemberpogroms wurde die Synagoge am 19. November 1938 geschändet und ihr Innenraum völlig verwüstet. Die heiligen Schriften wurden entweiht und verschwanden mitsamt dem Archiv der Gemeinde. Der Befehl der SS, die Synagoge niederzubrennen. konnte wegen der angrenzenden Wohnhäuser nicht ausgeführt werden.

Die jüdischen Männer wurden in das KZ Sachsenhausen deportiert und zur Aufgabe ihres Vermögens gezwungen. Nach Zahlung einer Geldsumme kamen sie mit der Auflage frei, Deutschland unverzüglich zu verlassen. 1939 lebten in Luckenwalde nur noch 18 meist ältere Juden. Eine Gemeinde im religiösen Sinne bildeten sie nicht mehr. Die meisten von ihnen fielen dem nationalsozialistischen Rassenwahn in den Kriegsjahren zum Opfer."

Das Merkzeichen befindet sich vor der ehemaligen Synagoge der jüdischen Gemeinde in der Puschkinstraße 38. Auf der Tafel wird auch aller Holocaust-Opfer gedacht, die einmal zur hiesigen jüdischen Gemeinde gehört haben.

Merkzeichen für die Jüdische Gemeinde enthüllt

Gegen Abend des 19. Februar 2008 wurde die Erinnerungstafel für die Jüdische Gemeinde vor der ehemaligen Synagoge in der Puschkinstraße enthüllt.
Bürgermeisterin Elisabeth Herzog-von der Heide begrüßte die Anwesenden herzlich zur Einweihung des 1. Merkzeichens an einem symbolträchtigen und stadtgeschichtlich bedeutendem Ort: „Die Juden Luckenwaldes, die während der Schoah systematisch entrechtet, verfolgt, in den Tod getrieben oder ermordet wurden, haben keine Grabsteine. Sie wurden wahrscheinlich nicht einmal bestattet und niemand weiß, wo ihre sterblichen Überreste sind. Herrn Pfarrer Riemer ist es zu verdanken, dass wir wenigstens ihre Namen kennen und mit der Verewigung dieser Namen auf dem ersten Merkzeichen jedes Einzelnen individuell gedenken können. An die Katastrophe des Holocausts müssen wir uns immer erinnern.“ So die Bürgermeisterin und hofft, „dass wir mit diesem Luckenwalder Merkzeichen vor der ehemaligen Synagoge dazu beitragen, ein richtiges Stück Erinnerungsarbeit zu leisten."

Daran knüpfte Dr. Peter Fischer vom Zentralrat der Juden Berlin an. Mit diesem Merkzeichen werden Informationen über die Juden und ihr Schicksal in die Öffentlichkeit getragen. In der heutigen Gesellschaft ist es problematisch, Bürgersinn für diese Menschen und ihr Unheil zu entwickeln. Dass es jüdisches Leben einmal in Luckenwalde gegeben hat, daran erinnert heute um so mehr diese Tafel. Für das Engagement um den Erhalt an das Gedenken jüdischer Mitbürger bedankte sich Dr. Fischer bei der Stadt Luckenwalde.

Unter den Gästen waren auch Ruth Kühne-Winkler und Eugen Herman-Friede. „Morgen wird in einer Gedenkstunde in der Israelischen Botschaft an die Luckenwalder Hans und Frida Winkler erinnert. Ihnen wurde vor kurzem posthum die Auszeichnung  »Gerechte unter den Völkern« verliehen, die höchste Auszeichnung, die Israel an Nichtjuden vergibt. Hans und Frida Winkler gehörten der Widerstandsgruppe Gemeinschaft für Frieden und Aufbau an. Sie und weitere Mitstreiter setzten ihr Leben ein, um verfolgte Juden zu retten, aber auch um mit riskanten Flugblattaktionen für das Ende des Krieges und den Sturz der mörderischen Diktatur zu kämpfen. Ich freue mich, dass die Tochter der beiden Ruth Kühne-Winkler und Eugen Herman-Friede, der zu den Geretteten gehört, auch heute hier bei uns sind.“, so die Bürgermeisterin.

Werner Buys (l.) und Wera Zeller (3. v. r.), eine der wenigen Zeitzeugen, die noch aus eigenem Erleben über den Alltag jüdischer Luckenwalder berichten können, enthüllten die Tafel. 

(Aus der Veröffentlichung im Amtsblatt für die Stadt Luckenwalde Nr. 5 vom 04.03.2008.)

* sh. auch Ehrenbürger und bekannte Luckenwalder

Gedenktafel NKWD-Dienststelle Burg

Tafeltext: "In der Villa Burg 29 a befand sich nach dem Ende des 2. Weltkrieges der Verhörkeller der sowjetischen Geheimpolizei NKWD. Hier wurden neben mutmaßlichen NS-Verbrechen zahlreiche willkürlich denunzierte Luckenwalder Personen inhaftiert, darunter auch Sozialdemokraten und oppositionelle Kommunisten. Sie wurden in stalinistische Lager, vor allem nach Ketschendorf bei Fürstenwalde, weitertransportiert. Viele von ihnen kamen ohne jegliche gerichtliche Untersuchung in diesen Lagern um."


Merkzeichen Befreiungskriege

Tafeltext: Befreiungskriege - Hier starben am 20. August 1813, drei Tage vor der Schlacht von Großbeeren, bei einem Scharmützel neunzehn auf französischer Seite kämpfende Soldaten und zehn mit Preußen verbündete Kosaken.

Hermann Hahn berichtet 1917 in seinem Buch „Luckenwalde in frühen Kriegstagen“  darüber: „Am 20. August 1813, um 6 Uhr nachmittags knatterte es plötzlich vor dem Trebbiner Tore. 2.000 Kosaken waren herbeigeeilt und griffen lebhaft an. Die Franzosen gerieten in Kopflosigkeit und Unordnung, und Hunderte von Kavallerien sprengten durch die Stadt. Allein die Bayrische Infanterie wich nicht zurück, und in ihrem Feuer mussten die Kosaken abziehen. Im Ganzen fanden bei dem Gefecht 19 Franzosen, d. h. tatsächlich waren es mit Napoleon verbündete Bayern und Württemberger, sowie 10 Kosaken den Tod.“ 

Das Merkzeichen sowie der Gedenkstein befinden sich an der Ruhlsdorfer Chaussee, Ortsausgang Luckenwalde. 

Merkzeichen Verfolgte des Nationalsozialismus

Erwin Münchow
Schulrektor
19.06.1888 Berlin 
02.10.1973

Erwin Münchow, aus Wittenberge gekommen, leitete von 1028 bis 1933 als Rektor die erste weltliche Schule in Luckenwalde, die 1930 in der heutigen Friedrich-Ebert-Grundschule einzog. Als aktiver Sozialdemokrat trat er für die Jugendweihe ein. 1933 wurde er aus dem Schuldienst entfernt und war bis 1933 in mehreren Konzentrationslagern inhaftiert.
Nach 1945 wieder als Rektor im Schuldienst tätig, gehörte er ab 1949 dem Stadtrat von Dortmund und von 1950 bis 1954 dem Nordrhein-Westfälischen Landtag an.            

Hermann Salomon           
Arzt und Bürgermeister
04.09.1888 Gotha           
14.05.1970 Neuilly-sur-Seine

Dr. Hermann Salomon, Sohn einer jüdischen Kaufmannsfamilie, ließ sich 1919 als Arzt in Luckenwalde nieder. Er war SPD-Stadtverordneter, Stadtrat und von 1930 bis 1933 Erster Bürgermeister. 1933 wurde er von den Nationalsozialisten gezwungen, sein Amt niederzulegen. Danach war er wiederholt, zuerst im KZ Sachsenhausen, inhaftiert. Dr. Salomon emigrierte 1937 nach Jugoslawien, arbeitete als französischer Kolonialarzt in Afrika und lebte nach dem Krieg in Frankreich.

Willy Albert Scholz  
Hutmacher und Vorsitzender der KPD in Luckenwalde
22.10.1889 Luckenwalde 
20.02.1945 KZ Bergen-Belsen                                                                                                             

Willy Scholz war Mitbegründer und 1920 bis 1933 Vorsitzender der KPD Luckenwalde, auch gehörte er der Stadtverordnetenversammlung und dem Kreistag an. 1924 gründete er die Luckenwalder Ortsgruppe des Rotfrontkämpferbundes und 1930 den Kampfbund gegen Faschismus. Ab 1932 gab er die Zeitung „Der Industrieprolet“ heraus. Seit 1933 wurde Scholz mehrfach, u. a. im KZ Sachsenhausen, inhaftiert und kam 1945 im KZ Bergen-Belsen um.

Otto Starsoneck     
Tischler       
22.08.1889
23.08.1942 Luckenwalde                                                                                                                             

Otto Starsoneck war Kassierer der „Roten Hilfe“ in Luckenwalde. Weil er seine Arbeit trotz Verbots der Organisation fortsetzte, wurde er im Oktober 1933 verhaftet, zu 18 Monaten Gefängnis verurteilt und in Berlin-Plötzensee eingesperrt. Er starb 1942 an den Folgen der Haft.

Konstantin Alois Arno Ertner
Maschinenbauingenieur   
03.04.1904 Luckenwalde         
15.02.1943 KZ Dachau

Arno Ertner wurde 1941 in der Norddeutschen Maschinenfabrik wegen Verbreitung der Predigtbriefe des Bischofs von Galen gegen die Euthanasie verhaftet. Sein Leidensweg führte über das Polizeigefängnis in Potsdam und das KZ Sachsenhausen in das KZ Dachau, wo er 1943 umkam.

Franz Fritz Ernst Kloß       
Böttcher und Sportler           
04.09.1907 Luckenwalde                       
12.04.1933 Luckenwalde

Ernst Kloß boxte erfolgreich in dem der KPD nahestehenden Rotsport-Verein. Im April 1933, nach der Machtergreifung durch die Nationalsozialisten, fand in Luckenwalde ein Standarttreffen von 1.200 Vertretern der SA und der Hitler-Jugend statt, in dessen Folge SA-Männer Kloß verprügelten, verfolgten und ihm auf offener Straße tödliche Schussverletzungen beibrachten. Obwohl Polizisten zeugen dieses Verbrechens waren, wurden die Täter nicht ermittelt und die Untersuchungen bereits 18 Tage später eigestellt.

Die Merkzeichen befinden sich am Marktplatz zwischen Rathaus und HeimatMuseum (zurzeit wegen der Rathaussanierung abgebaut). 

Verlegte Stolpersteine


Die Auflistung erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit und kann jederzeit ergänzt werden.

Seite drucken | zuletzt geändert am: 24.08.2022