2025 - Familie Schlesinger, Markt 9, Breite Straße 45, Zinnaer Straße 41
Verlegung am 9. November 2025
Markt 9
Herr Victor Schlesinger, Jahrgang 1874
Frau Margarethe Schlesinger, geborene Fuß, Jahrgang 1877
Breite Straße 45
Herr Edmund Klose, Jahrgang 1895
Frau Charlotte Klose, geborene Schlesinger, Jahrgang 1898, gestorben 1989
Frau Wera Zeller, geborene Klose, Jahrgang 1925, gestorben 2008
Zinnaer Straße 41
Herr Rudolf Schlesinger, Jahrgang 1902
Frau Margarete Schlesinger, geborene Rundorff, Jahrgang 1904
Frau Eva Schlesinger, Jahrgang 1930
Victor Schlesinger wurde 1874 in Wien geboren. Als junger Mann ging er nach Berlin und fand dort seine Frau Margarethe. Die Beiden heirateten vielleicht 1897 – sie war 20 und er 23 Jahre alt.
Als vierundzwanzigjähriger Kaufmann kam Victor Schlesinger nach Luckenwalde. Nachdem er zunächst in einem Schuhgeschäft angestellt war, eröffnete er 1909 ein eigenes Schuhwarengeschäft in der Breiten Straße in unmittelbarer Nähe des Rathauses (Schuhhaus Schlesinger).
Seine Tochter Charlotte, geboren 1898 in Luckenwalde, machte sich 1921 mit einem Modesalon in der Lämmergasse selbstständig. Sie heiratete zwei Jahre später den aus Lodz stammenden Edmund Klose. 1925 wurde dem Ehepaar die Tochter Wera geboren. Zusammen floh Wera 1939 mit Eltern und Großeltern nach Chile. 1950 heiratete sie Ludwig Zeller und kehrte 1970 nach Deutschland zurück. 2008 starb Wera Zeller in Berlin, beerdigt wurde sie auf eigenen Wunsch in Luckenwalde.
Victor Schlesingers Sohn Rudolf kam 1902 in Luckenwalde zur Welt. Wie sein Vater wurde er Kaufmann, arbeitete zeitweise als Abteilungsleiter in der Firma Metallwerk A. Bartosik & Co. und leitete später ein Schuhgeschäft in Köthen, wo ihm und seiner ebenfalls aus Luckenwalde stammenden Frau Margarete, geb. Rundorff 1930 die Tochter Eva geboren wurde.
Rudolf Schlesinger wurde während des Novemberpogroms 1938, wie alle jüdischen Männer zwischen 16 und 60 Jahren, verhaftet und nach Sachsenhausen gebracht. Nach vier Wochen im KZ wurde er freigelassen. Mit der Entlassung war üblicherweise die Auflage verbunden, Deutschland so schnell wie möglich zu verlassen.
Das Schuhgeschäft in der Breiten Straße hatten Vater und Sohn bereits im Oktober 1938 verkauft – „Arisierung“ nannte man solche Verkäufe zu jener Zeit. Die Familie trug sich wohl schon mit dem Gedanken, zu Verwandten ins Ausland überzusiedeln. Am 30. Dezember 1938 erhielten Victor Schlesinger, seine Frau Margarethe und der Sohn Rudolf auf dem Polizeiamt Luckenwalde ihre mit einem großen roten „J“ gekennzeichneten Reisepässe. Am 11. Februar 1939 reiste die achtköpfige Familie mit dem Schiff von Hamburg nach Chile aus.
Quelle: Pfarrer Detlev Riemer a. D.